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Tagblatt Online, 05. November 2009 01:05:03

Sinnlichkeit der Hardware

Zoom

Stéphanie Baechler (Bild: Bild: Michel Canonica)

Mit ihren aus Hardware-Elementen gestalteten Textilien zeigt Stephanie Baechler ihre Hassliebe für die digitale Welt.

Yvonne Forster

«Seit ich mir vor fünf Jahren einen eigenen Computer gekauft habe, zeichne ich viel weniger von Hand, google, statt das Lexikon zu benützen, und es fehlt mir oft der sinnliche Bezug zum Material», sagt die in Fribourg aufgewachsene Textildesignerin Stéphanie Baechler. «Mir wurde auch bewusst, mit wie vielen technischen Hilfsmitteln wir beladen sind, wenn wir längere Zeit verreisen: Vom Ladegerät bis zum Fotoapparat, Handy und iPod, von der Harddisc bis zu den Unmengen an Kabeln darf nichts fehlen. Sonst sind wir nicht mehr einsatzfähig.»

Den Computer geplündert

Als die Absolventin der Schule für Gestaltung in Luzern ein Thema für ihre Abschlussarbeit wählen musste, beschloss sie, sich mit ihrer zwiespältigen Beziehung zur digitalen Welt auseinanderzusetzen. «Kann uns der Computer diese verloren geglaubte Sinnlichkeit zurückgeben? Welchen Einfluss hat die digitale Welt auf unseren Alltag?»

Die seit einem Jahr bei Jakob Schlaepfer in St. Gallen angestellte Textilentwerferin begann, alle Teile zu sammeln, die es in der Computerwelt gibt: Dioden, Halbleiter, Chips, Flachband-Kabel, USB-Sticks, Steckdosen, Widerstände, Prozessoren, Kondensatoren, Anschlüsse und unzählige winzige Teile, die zur Hardware gehören. «Ich wollte keine Digitalästhetik kreieren, sondern mit meiner gestalterischen Arbeit eine neue Form von Intimität zeigen.»

Wochenlange Recherchen folgten. Als Stéphanie Baechler genug Material gesammelt hatte, begann sie zu zeichnen, zu fotografieren und zu experimentieren. Flachbandkabel zum Beispiel wurden geflochten, vergrössert, verkleinert, aufeinandergelegt, gefärbt und verändert. «Indem ich den Hardware-Elementen einen handwerklichen Charakter verleihe, wirken diese plötzlich nicht mehr so technisch.»

Technik am Körper

Im Fotoshop wurden die vielen Motive bearbeitet und im Ink-Jet-Verfahren auf Seide, Nylon, Viskose und Baumwolle appliziert oder in Ätz-Stickereien verwandelt. «Die entstandenen Kleider, Strümpfe und Stoffe sollen zeigen, wie wir täglich die Technik auf uns tragen, ohne es zu realisieren», sagt Stéphanie Baechler über ihr eingereichtes Projekt.





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