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Tagblatt Online, 28. Mai 2011 01:05:55

Richtiges Wetter – lebendige See

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Kitebuggy-Passagierfahrten am Strand von St. Peter Ording.

Nordfriesland glaubt jeder zu kennen. Aber die Region ist mehr als Sylt, Amrum oder St. Peter Ording. Im höchsten Norden Deutschlands lebt ein Menschenschlag, der uns Schweizern ähnlich ist. Wind, Wetter, die See sowie Landschaft und touristisches Angebot lassen keine Langeweile aufkommen. Im Sommer kann es sogar heiss und windstill sein. René Schneider

«Wir haben heute bestes Nordseewetter! Willkommen auf Sylt, willkommen zu unserer Kliffwanderung.» Kapitän Falk Eitner führt seit seiner Pensionierungen Gäste über die Insel. Das «beste Nordseewetter» an diesem Spätsommertag: Knapp 20 Grad, drei bis vier Beaufort Wind aus West, vorüberziehende Wolken, die ab und zu die Sonne verdecken, am Strand ein Meter hohe Wellen, kaum Badende, aber viele Wellenreiter und Kite-Surfer. Schweizer seien auf Sylt noch nicht sehr zahlreich, aber gern gesehen, sagt er. Die ersten hätten Grundeigentum erworben.

Falk Eitner weist zwei Dünen weiter auf ein neueres, grösseres Haus, direkt über dem Kliff, freie Sicht auf Strand und See, davor eine im Wind knatternde Schweizer Fahne. Wer wohnt dort? Eitner grinst: «Das weiss jeder hier, aber niemand wird es Ihnen sagen. Das Haus gehört jemandem mit viel Geld und grossem Bedürfnis nach Einfachheit und Ruhe.» Reiche und Schöne aus der ganzen Welt, prägen seit Generationen den Tourismus auf Sylt.

Lohnendes Angebot

Auf Sylt gelangt man über den Hindenburgdamm mit dem Zug. Viele führen ihr Auto auf dem Shuttle mit. Wir starteten nahe Basel mit dem Autozug Lörrach-Hildesheim-Hamburg der Deutschen Bahn. Ein tolles Angebot: Der Platz für das Auto kostet etwa so viel wie Sprit und Reifen für 850 Kilometer Autobahn, das Zweierabteil im Schlafwagen soviel wie ein Hotelzimmer. Abfahrt ist am Abend, Ankunft in Hamburg Altona am anderen Morgen. Ausgeruht fahren wir während anderthalb Stunden über Autobahn und Landstrasse nach St. Peter Ording, der grossen Halbinsel mit Heil- und Schwefelbad an der schleswig-holsteinischen Küste. Das Hotel Strandgut ist (noch) untypisch, aber richtungsweisend für den traditionellen Kur- und Badeort: Es richtet sich an die neu und zusätzlich avisierte Kundschaft: Junge und jung Gebliebene, Surfer und Kitebuggy-Fahrer, Familien sind willkommen, die eine einfache, schicke und dennoch bezahlbare Unterkunft wünschen. SPO (Insider-Abkürzung) hat in den letzten Jahren etwa 40 Millionen Euro in seine Entwicklung investiert; das Bad erneuert, Velo- und Spazierwege angelegt, einen Hort für Gästekinder geschaffen, die Strandpromenade ausgebaut, einen Veranstaltungsraum mit Bühnen realisiert. Das touristische Angebot auf der Halbinsel ist breit – mit Velo oder Auto sind auch schöne Ziele auf dem nahen Festland zu erreichen.

Sylt, anderthalb Autostunden nördlich, brüstet sich mit dem «längsten Strand Deutschlands». Die Stärke der Insel ist ihre Grösse und Vielfalt mit (oft) rauher Brandung an der Westseite und stillerem Wattenmeer an der Ostküste. Das Leben auf der Insel mit dem internationalen Publikum ist eine unaufgeregte Mischung aus Savoir-Vivre und Laissez-faire. Sylt ist Trubel und Ruhe, Tagträumen, Strand- oder Wattwanderung. Das Nachtleben beginnt hoffentlich mit einem Essen in der legendären «Sansibar» oder in der «Alten Friesenstube».

Ruhige und geerdete Naturen

Wer es noch beschaulicher, ruhiger, einfacher mag und die Natur intensiver geniessen will, setzt in Hörnum, am südlichen Ende der Insel Sylt über auf die kleine Insel Amrum. Sie biete den «grössten Strand Europas» und den feinsten Sand, versichert Christian Johannsen von Amrum Touristik. Seine Landsleute und er seien «den Schweizern ähnlich», sagt er. «Ruhig, geerdet, aber mit weitem Horizont.» Auf Amrum braucht man kein Auto. Die etwa 15 Kilometer kleine Insel mit 2000 Einwohnern ist mit dem Velo schnell bis in alle Winkel zu entdecken. Sie bietet sich an zum Auf- und Durchatmen, für Strand- und Wattwanderungen sowie kleine Radtouren. Auch für Amrum gilt Falk Eitners Wetterprognose: Täglich Nordsee Wetter. Jutta Vielberg von Sylt-Marketing behält – zum Thema Wind – auch auf Amrum Recht: «Bei uns hat man keine Frisur – nur Haare.»

Der Bericht basiert auf einer Pressereise von Deutschland Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Autozug der Deutschen Bahn.




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