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Tagblatt Online, 29. Oktober 2008 01:00:21

Der Jahrmarktplatz

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Stop-and-Go ohne Abgas: Jahrmarktliches Flanieren auf der Eschenbacher Sternen-Kreuzung.

Kreuzung Eschenbach 364 Tage im Jahr ist die Sternen-Kreuzung in Eschenbach dem motorisierten Verkehr vorbehalten. Nur am Jahrmarkt-Samstag im Oktober gehört sie den Fussgängern.

Michael Hug

Strassenkreuzungen bedeuten Stop-and-go, Gefahr und Gummiabrieb. Das ist auch auf der Eschenbacher Sternen-Kreuzung nicht anders. Doch für einen Tag im Oktober gehört der Platz dem traditionellen Jahrmarkt und seinen Besuchern. Auch dann bestimmt das lockere Stop-and-go das Bild, aber abgaslos. Die Gefahr, unter die Räder zu kommen, ist durch Aussperrung des motorisierten Verkehrs gebannt. Statt Gummiabrieb bleiben Marronischalen auf dem Asphalt liegen.

«Einfach immer wieder megageil!» sagt Fabrice Oberholzer. Beim Stichwort Jahrmarkt denkt der Elfjährige an die Chilbi, die gleichzeitig auf dem Schulhausplatz stattfindet. Und wenn seine etwas ältere Kollegin meint: «Der zweitwichtigste Anlass im Jahr, nach der Fasnacht!», dann hat auch sie eher Autoscooter und langen Ausgang im Kopf als Hosenträger vom billigen Jakob oder Raclette vom FC Eschenbach. Die beiden Jugendlichen wollen Fun: «Es könnten noch ein paar Bahnen mehr sein!»

Stelldichein auf dem Platz

Jahrmarkt ist Stelldichein. Vor den Ständen die Besucher aus Dorf und Region, dahinter angereiste Marktfahrer mit dem Standardangebot und einheimische Vereinskässeli-Aufbesserer mit cleveren Ideen. Fischknusperli in halben oder ganzen Portionen und erst noch einen Becher Wein gratis offeriert die Musikgesellschaft Helvetia. Öpfelchüechli duften bei den Bäuerinnen und gebratene Cervelats beim Turnverein.

Sechs Berliner gibt es beim Bäcker Von Aarburg, fünf nur sind zu bezahlen. Wollene Socken, nützliche Pferdeschweif-Reflektoren, leckeres Magenbrot – das ganze kunterbunte Jahrmarktsortiment. Wer da nicht zugreift, ist selber schuld.

Live vom Jahrmarkt

Ein Grund auch für die jungen Macher des Internetradios Radio21.ch, für einmal auch real statt nur digital präsent zu sein. Was sonst ungesehen im Internet-Äther verschwindet, ist am Jahrmarkt live auf der Rütistrasse zu erleben. Beim Ad-hoc-Konzert der Ermenswiler Gugge Schilfrohrquaker mitten auf der Rapperswilerstrasse kommt es zum Fussgänger-Verkehrsstau. Im Gewirr der Menschen, Marktstände und Marronitüten, im Duftgemisch von Zuckerwatte und Grillbratwürsten entsteht am Jahrmarkt ein neues, lebendiges Dorfzentrum.

Autos quälen sich durch Umleitungen, in der Mitte des Dorfs atmen jene befreit, denen diese Mitte eigentlich gehört: die Einheimischen.

Kein Grund zu ändern

«Der Markt war schon immer auf dieser Kreuzung, und es gibt keinen Grund, das zu ändern!» meint Marktchef Max Bärlocher. Und ausserdem seien die rund 100 Marktfahrer gegen eine Versetzung. «Jeder Jahrmarkt», erklärt Bärlocher weiter, «der versetzt wurde, sei danach eingegangen, wird argumentiert.» Die Umleitung durch die Quartiere habe man im Griff, Lastwagen fahren seit der Eröffnung der Umfahrung ohnehin nicht mehr durchs Dorf.

Am Samstagabend, punkt 20 Uhr, ist der Jahrmarktspuk auf der Sternen-Kreuzung vorbei. Dann geht's an der Chilbi und in den Eschenbacher Beizen aber erst richtig los.





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