Tagblatt Online, 16. Januar 2009 01:02:21
Aus der guten Stube
Daniel Schmucki (hinten) und Andreas Güntensberger machen selbst Radio: 24 Stunden pro Tag und übers Internet. (Bild: Bild: Michael Hug)
Webradio Beromünster ist tot – es leben Eschenbach und Altstätten! Seit Jahren senden diese zwei Stationen weltweit Jazz und Pop – dank des Internets. Michael Hug
Ich wollte ein eigenes Radio haben», sagt Andreas Güntensberger. Was tönt wie ein kindlicher Weihnachtswunsch nach einem handlichen Transistorempfänger, bedeutete für Güntensberger das andere Ende des Kommunikationsmediums: ein eigener Sender – selber Radio machen. Damit sein Programm von möglichst vielen Fans gehört werden kann, musste er nicht wie seine pionierhaften Vorgänger tonnenschwere Halbleiterröhren auf Bergspitzen installieren, es genügte das Internet.
Jugendliche Leitung
Kurz und bündig umschreibt der 19jährige Güntensberger sein Radio: «Radio 21 ist ein Internetradio unter der Leitung von Jugendlichen.» Vier unbezahlte Mitarbeiter und er, ebenso unbezahlt, machen Radio für Junge und Junggebliebene. «Wir senden klar nur Mainstream-Musik», sagt Güntensberger ohne Umschweife. Das 24-Stunden-Programm kommt vom Server, ein automatisches Programm sorgt für zufällige Auswahl. 800 Titel tummeln sich auf der Festplatte. Es kommen ständig neue dazu und Altes fliegt raus, erklärt Güntensberger. Das sei eine Arbeit, die programmunabhängig getan werden könne. Denn unabhängig müsse er bleiben, schliesslich sei sein Hauptjob die Ausbildung zum Informatiker.
Keine ferngesteuerte Jukebox
Radiomachen ist zu Zeiten des Internets ein Hobby für jedermann geworden. Doch der Radio- 21-Gründer mit Berufswunsch Musikredaktor will nicht einfach eine ferngesteuerte Jukebox sein: «Wir machen auch moderierte Programme zu bestimmten Musikstilen oder senden Live-Mitschnitte, und wir berichten über lokale oder sportliche Ereignisse.» Dazu reisen seine vier Mitstreiter an Konzerte, Fussball- und Eishockeyspiele und übermitteln Spielberichte und Interviews ins Studio. Radio-21-Chef Güntensberger: «Wir widmen uns stark auch der Schweizer Musik und dabei auch den Newcomern.»
Zum Herunterladen
Selbstverständlich gibt es bei Radio 21 auch Podcasts zum Herunterladen und einen News-Feed. Servieceleistungen, welche die «grossen Brüder», die Professionellen, auch bieten. Doch von Budgets wie bei den Profis kann das Eschenbacher Internetradio nur träumen: «Wir leben von Spenden, Gönnerbeiträgen und vom Sackgeld!» Eine Stiftung habe ihnen mal 2000 Franken überreicht, das habe ein ganzes Jahr für die Spesen gereicht. Man fühlt es: Diese Jungs machen Radio aus Spass und Freude am Projekt. «Es ist schon etwas Besonderes, dem Trainer des FC Basel ein Mikrophon hinzuhalten!», meint Sportreporter Daniel Schmucki.
Jazz übers Internet
Aus Eschenbach also gibt es Pop, Rock und Rap. Vom anderen Ende der Ostschweiz verbreitet ein weiterer Spartensender seit ebenfalls vier Jahren ausgesuchte Musik übers Internet: Aus Altstätten sendet SwissGroove ausschliesslich Jazz und Funk. Thomas Illes und Peter Böhi sind die Gründer und mit vier Volontären Betreiber von SwissGroove. Mit 45 000 Hörenden pro Tag ist man vermutlich der meistgehörte Internetsender der Welt in der Jazz-Sparte. «Musikgenuss ist für uns ein Menschenrecht», sagt Peter Böhi. Das Webradio sei aber eigentlich nur Mittel zum Zweck, die eigene Leidenschaft – die Liebe zum Jazz – anderen zugänglich zu machen.
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