Siebeneinhalb Tonnen pure Nostalgie

Die Appenzeller Bahnen brachten einen historischen Bahnwagen aus dem Jahr 1904 zum Gastauftritt. Heute dient er den AB für Apérofahrten.
27. April 2016, 13:12
MARTIN WIESMANN
«Gemäss Erfahrungswerten passt der zirka 3,60 Meter hohe Nostalgiewagen B119 inklusive Flachtransporter knapp durchs Tor der Halle 9.0», ist auf einem Datenblatt festgehalten. Das bestätigte sich auch am vergangenen Montag, als Spezialisten der Emil Egger AG mit Unterstützung von Fachleuten der Appenzeller Bahnen (AB) den Wagen in die Olma-Halle 9.0 zirkelten.

Auch wenn der Eisenbahnwagen die Fahrt vom AB-Depot in Gais hinunter nach St. Gallen auf der Strasse unter die Räder nahm, blieb er doch in den Schienen: «Wir statten den passenden Transportanhänger jeweils mit ausgedienten Bahnschienen aus, wobei die Gesamthöhe der Ladung immer im Auge behalten werden muss», erzählt Marco Betschart von der Disposition «Schwergutlogistik» bei der Emil Egger AG. Einige Male schon wurde das besondere Gefährt auf diese Art und Weise aus dem Einzugsgebiet der Appenzeller Bahnen hinaus transportiert.

«Pinsel-Renovation» reichte nicht
Auf seine alten Tage kommt der 112 Jahre alte Wagen so im Vergleich zu früher weit herum. Denn gebaut wurde das einst dreiachsige Vehikel 1904 als Personenwagen mit 36 Plätzen für die Appenzeller Strassenbahn, als die Bahnlinie St. Gallen–Gais bis nach Appenzell verlängert wurde. Weil für den jahrzehntelangen Einsatz nur verhältnismässig wenig verändert, diente der B119 schon in den 80er-Jahren auch als Nostalgiewagen. Der Verein AG2 Historische Appenzeller Bahnen kam dann ziemlich auf die Welt, als sich die geplante «Pinselrenovation» nach der grossen Zerlegung zu einer Total-Restauration auswuchs. Seit der Jungfernfahrt 2009 erstrahlt nun aber der B119 weitgehend in seinem Aussehen der 1940er-Jahre. Geboten werden heute 32 Sitzplätze in schönstem Ambiente. Heute schätzen sich die Appenzeller Bahnen glücklich, das Schmuckstück auf den Strecken Altstätten–Gais, Gossau–Appenzell–Wasserauen und zurzeit noch zwischen St. Gallen und Appenzell einsetzen zu können. Der Wagen lässt sich sowohl an fahrplanmässige Züge anhängen als auch mit einem nostalgischen Triebwagen der AB verbinden. Apérofahrten mit dem B119 sind beliebt, etwa für Gesellschaften.

Attraktiver Ort für Rast und Gespräch
Nahe der «Drehbar» der Säntis-Schwebebahn abgestellt, wurde der historische Wagen der AB von den Aktionären eingehend inspiziert und darin auch gerne Platz genommen. Beim Genuss der vielen am Gastauftritt angebotenen Appenzeller Spezialitäten liess es sich wunderbar plaudern und dabei die schöne «Aussicht» auf das Appenzellerland geniessen – mitten in St. Gallen!
 

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