Tagblatt Online, 21. Oktober 2011 07:03:00
Jede Schraube wird kontrolliert
Peter Berger kontrolliert jede Schraube der «Playball»-Bahn am Herbstjahrmarkt. (Bild: Luca Linder)
Zehn Tage lang stehen sie auf dem Spelteriniplatz, die riesigen Bahnen des Jahrmarkts. Während sich viele Olma-Besucher daran erfreuen, fragen sich die wenigsten, wie sicher diese Konstruktionen wirklich sind.
AISHA GREEN
Auf und um den Spelteriniplatz stehen im Moment riesige Bahnen. Sie schleudern Menschen in die Luft, schaukeln sie hin und her und drehen sich Dutzende Male um ihre eigene Achse. Hunderte Menschen begeben sich täglich auf eine Fahrt mit dem «Playball», dem «Monster» oder dem «Maximum», ohne sich zu überlegen, ob sie sich ihres Lebens wirklich sicher sind. Sie verlassen sich einfach darauf, dass die Bahnen ausreichend geprüft werden.
Schmieren, putzen, fahren
Während die Frage nach der Sicherheit einer Bahn von Marktbesuchern kaum gestellt wird, hat sie bei den Schaustellern höchste Priorität. Ihr Tag beginnt mit schmieren, putzen und dem Kontrollieren von jeder Schraube. «Wenn es am Vortag keine aussergewöhnlichen Komplikationen gab, die am Morgen noch behoben werden müssen, brauchen wir für die tägliche Kontrolle ungefähr eine Stunde», sagt Peter Berger, zuständig für die «Playball»-Bahn. Laut Berger ist diese Stunde ziemlich vollgepackt. Nach einer ausgiebigen technischen Inspektion der einzelnen Teile der Bahn würden diese wieder zusammengesetzt. Darauf folge dann die erste Testfahrt, welche immer ohne Mitfahrer stattfinden muss. Bei dieser Fahrt werden unter anderem die Bremsen getestet, erklärt Berger.
Zwei Testfahrten
Auch wenn die erste Testfahrt keinerlei Probleme oder Fehler aufzeigt, wird direkt vor der ersten Fahrt mit Personen noch eine solche durchgeführt. «Es könnte theoretisch immer sein, dass zwischen der Kontrolle und der ersten besetzten Fahrt noch etwas schief läuft oder wir beim ersten Mal etwas übersehen haben», begründet Berger diesen Schritt in der täglichen Routine. Es gebe ausserdem genaue Auflagen zu den Öffnungszeiten einer Bahn. Vor der vorgeschriebenen Öffnungszeit ist es auf keinen Fall erlaubt, dass Personen auf der Bahn mitfahren. Auch wenn sie eigentlich fertig kontrolliert und bereit zur Fahrt wäre.
Es sind aber nicht nur die grossen Bahnen, die jeden Tag ein solch aufwendiges Verfahren durchführen. Auch bei einem Karussell für die Kleinen wird am Morgen jedes Kabel und jede Schraube genaustens kontrolliert, obwohl die Vorschriften da natürlich nicht genau gleich streng sind.
Besucher selbst verantwortlich
Obwohl die Schausteller sehr um die Sicherheit der Bahnen besorgt sind, können sie nicht viel mehr tun, als alle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Es ist schliesslich auch immer noch ein gewisses Mass an Verantwortungsgefühl von den Marktbesuchern gefragt. Obwohl die Bahnen bei Windstärke 4 geschlossen werden müssen, laufen sie im Regen zum Beispiel weiter. Paul Amacker, Betreiber der «Monster»-Bahn, findet das weder unvernünftig noch gefährlich. «Die Besucher entscheiden immer selbst, ob sie eine Fahrt mitmachen wollen oder nicht. Wenn sie im Regen Angst vor Unfällen haben, müssen sie ja nicht auf die Bahn gehen. Es kann aber absolut nichts Schlimmes geschehen». Amacker erzählt weiter, dass in der Schweiz noch keine Unfälle an Jahrmärkten passiert seien. «Bahnen in der Schweiz sind alle sicher. Sie werden alle am selben Ort in Süddeutschland einem speziellen TÜV unterzogen». Neben den täglichen Kontrollen und einer aufwendigen Untersuchung, wenn sie aufgestellt werden, gebe es ausserdem eine jährliche Abnahme der riesigen Konstruktionen.
Betrunkene fahren mit
Amacker erklärt, dass das Bahnfahren für betrunkene Gäste grundsätzlich nicht verboten ist. «Wem schlecht wird, der ist selbst schuld». Er habe allerdings auch schon stark alkoholisierte Personen abgewiesen.
In der Nacht sind die Bahnen nicht abgeschlossen, die Gefahr, dass sich Nachtgespenster daran zu schaffen machen, besteht aber nicht. Alles ist abgeschaltet und das Gelände des Jahrmarkts wird von Securitas bewacht.
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