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Tagblatt Online, 14. Oktober 2011 07:54:00

Calmy-Reys Reise zu «Odysso»

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ST.GALLEN. Auf ihrem Rundgang durch die Olma begegnete Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey namenlosen Tieren und zu taufenden Äpfeln.

Es schreit und quiekt aus dem Olma-Stall, als ginge es ums nackte Überleben. Dabei wird dem namenlosen Schweinchen mit der Nummer 26 77 eine grosse Ehre zuteil. Es wird zum meistfotografierten Ferkel des Jahres. Micheline Calmy-Rey lacht zwar, hält das 15 Tage alte Tierchen aber verkrampft in den Armen. Der Stall ist nicht ihr Terrain.

So zögert sie auch, als Christian Manser, Präsident der Olma-Tierschauen, sie in die Box zwischen zwei Berner Kühe bittet. «Ich kann doch nicht…», sagt Micheline Calmy-Rey mit einem Blick auf ihre Schuhe, ehe sie vom Bundesratsweibel doch noch ins Heu gehievt wird. Dort tätschelt sie Joy und Basil leicht den Rücken. Dann steigt sie erleichtert zurück auf den Stallboden. Ihre schwarzen Pumps glänzen makellos. Im Gegenteil zu den Schuhen des Bundesratsweibels. Christian Manser holt Taschentücher und putzt den Kuhdreck vom schwarzen Leder. Dann kann es weitergehen.

Bei der Sonderausstellung «100 Jahre Obstbau» wartet eine weitere Nummer auf die Bundespräsidentin. Die Variation 119 der neu gezüchteten Sorte «Redlove» soll einen klingenderen Namen erhalten. Micheline Calmy-Rey öffnet das Böxchen und übergiesst die dunkelrote Frucht mit Saft. Auf «Odysso» wird die Neukreation getauft und sogleich in Stücke geschnitten. Rosa Künzler, die Tochter des Präsidenten der Produkteschau «Obst und Gemüse», offeriert die Schnitze reihum. Ihre Backen leuchten mit dem roten Fruchtfleisch des Apfels um die Wette.

Drinnen in der Halle 9.0 sorgt der prominente Besuch für Aufregung unter den Besuchern. «Viva Micheline» ruft eine Gruppe. «Das ist die Chefin der Schweiz», erklärt eine Mutter ihrem Nachwuchs. «Lueg mal, geil», sagt eine junge Frau zu ihren Kollegen, «d'Micheline Calmy-Rey!».

In der Sonderschau «Arche Noah der Kleintiere» geraten auch die Tiere in Aufregung. Als ein Ara auf Calmy-Reys Arm gesetzt wird, quittieren das seine Artgenossen lautstark. Nur der bunte Vogel schweigt. «Kann er sprechen?» fragt die Bundespräsidentin. Andy Kräuchi, Präsident der Kleintierschau verneint und der Ara neigt beschämt das Köpfchen. Weiter geht's die Treppe hoch zur Halle 1.1. Doch plötzlich ist die Bundespräsidentin verschwunden. Kurze Irritation unter den Ehrengästen. Einige haben sie in den Lift einsteigen sehen, Olma-Direktor Nicolo Paganini vermutet, sie habe sich in sein Büro verirrt. Bald wird klar, Micheline Calmy-Rey ist nur kurz zur Toilette gegangen. Dann geht es weiter zur Recycling-Ausstellung mit PET-Figur, Elektronik-Roboter und Tetrapak-Tracht.

Auf dem Weg zur Sonderschau des Gastkantons Bern nimmt sich die Bundesrätin Zeit. Sie degustiert sich fröhlich und entspannt durch Appenzeller Fondue, Fleisch und Käse. Nimmt da ein Guezli, dort ein Stückchen Schokolade. Dann noch einen Eierlikör. Auch der Bundesratsweibel darf diesmal probieren.

Die meisten Olma-Besucher freut die bundesrätliche Visite. «Sie isch e Gmögigi», hört man an einer Ecke. Wenigen geht es aber ähnlich wie dem Säuli 26 77. Sie wollen möglichst schnell weg vom Rummel um die Bundespräsidentin. «Pfff, Cervelat-Prominenz», sagt eine Besucherin. Sie dreht sich weg und beisst in ihre Bratwurst. Katrin Meier





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