Tagblatt Online, 29. September 2011 11:46:00
Berner «Gringe u Gschichte»
Der Tourismuskanton: Auf dem Niederhorn mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. (Bild: Philipp Zinniker)
ST.GALLEN. Geigenbauer, Stelzenläufer, Wasserbüffel und Medizinaltechnik, Trachtenpracht und Cleantech-Innovationen: An der 69. Olma setzt sich der Gastkanton Bern traditionsbewusst, aber auch vorwärtsgewandt in Szene.
CHRISTOPH ZWEILI
Mit «Gringe u Gschichte» («Tranches et tronches») empfängt der zweitgrösste Kanton der Schweiz in drei Wochen die Besucher in der Sonderschau an der grössten Publikumsmesse der Schweiz. 800 000 Franken lässt sich der Gastkanton die elftägige Inszenierung von Tradition (Landwirtschaft und Tourismus) und Innovation (Cleantech) an der 69. Olma, Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung, kosten.
Neid auf die Berner Sprachen
Hierzulande ist das Berner Gesicht vor allem geprägt von der Bundeshauptstadt, «und auf die Zweisprachigkeit, die Brückenfunktion zwischen der deutschen und der welschen Schweiz, sind wir fast ein wenig neidisch», sagt der St. Galler Stadt- und Olma-Messen-Präsident Thomas Scheitlin. Auch Olma-Direktor Nicolo Paganini wartet mit Spannung auf die Berner, «immerhin habe ich dort studiert, also einen Neuntel meines Lebens verbracht».
Martin Tritten, Projektleiter des Auftritts des Gastkantons, will in St. Gallen nebst Gotthelf, Wandersocken und den Berner Hochalpen mehr zeigen als das Bild eines behäbigen, der Tradition verpflichteten Kantons. «Wir bringen eine Geigenbauer-Schule mit, Stelzenläufer, aber auch die Vollblutbäuerin, Dinkelbrotbäckerin und Bäuerin Susanne Rüegsegger: Es sind die Menschen – bekannte und unbekannte –, die den Kanton prägen und ihm ein Gesicht geben.»
In spannendem Kontrast dazu steht die Innovation aus dem Präzisions- und Medizinalcluster, entstanden aus der ursprünglichen Uhrmacher-Zunft. Die Uni Bern wird an der Sonderschau Entwicklungen aus der Klima- und Weltraumforschung zeigen. An der Tierausstellung präsentieren stolze Berner Züchter Spitzenmilchkühe, Rinder, Ziegen und Schafe – «sogar Wasserbüffel sind dabei». Am Tag des Gastkantons vom 15. Oktober nehmen 1300 Zwei- und Vierbeiner am Olma-Umzug durch die St. Galler Altstadt teil. Sie führen in 50 Sujets – darunter ein ganzer Alpabzug – durch die Geschichte Berns.
Damit die Berner auch garantiert den Weg in die Ostschweiz finden, fährt das Berner Bahnunternehmen BLS ab Bern, Burgdorf und Langenthal vom 13. bis 23. Oktober täglich (ausser samstags) mit einem Sonderzug direkt und ohne Halt bis vor die Olma-Tore in St. Gallen-St. Fiden.
Neues an der Olma
Auch die Olma selber hat Neues zu bieten. Die Olma-Leitung beschenkt die 645 Aussteller mit den «besten Hits aus drei Jahrzehnten Olma». Besucher finden die Musik-CD mit dem Olma-Lied vom Trio Eugster aus dem Jahr 1979 oder dem «Olma Marsch» (1980) der Knabenmusik St. Gallen im Souvenirshop. Auch neu: Die Olma 2011 geht mit 12 279 Facebook-Freunden an den Start. Über 20 Sonderschauen belegen 27 255 Quadratmeter Standfläche – darunter finden sich eine Recycling-Sonderschau, die Arche Noah der Kleintiere oder die Produkteschau zu 100 Jahre Obstbau.
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