Tagblatt Online, 14. Oktober 2011 07:42:00
«Die Ostschweiz ist flach»
Jungzüchter Stefan Zürcher.
ST.GALLEN. Sie repräsentieren den diesjährigen Gastkanton an der Olma: Die zahlreichen Berner Bauern, Viehzüchter und Aussteller. Viele haben zur Ostschweiz auch eine persönliche Beziehung.
TOBIAS HÄNNI
Vasella ist Bernerin, fünf Jahre alt und das erste Mal an der Olma. Am Mittwoch ist sie aus Worb nach St. Gallen gekommen. Nun steht sie in der Halle sieben – und gibt keinen Laut von sich. Viel lieber kaut die Milchkuh der Rasse Red Holstein auf dem frischen Heu herum, dass vor ihr im Futtertrog liegt. Über Vasella hängt ein Schild, auf der Besucher Genaueres über ihre Leistung erfahren. 9322 Kilogramm steht da. «Nein, dass ist nicht das Gewicht», sagt Theres Läderach lachend. Es handle sich um die durchschnittliche Menge Milch, welche Vasella zwischen dem Kalben produziere, erklärt die 19-Jährige, die als Mitglied der Jungzüchter Bern mit ihrer Kuh nach St. Gallen gereist ist. «Ich war früher als Kind an der Olma», erinnert sich Läderach. Ansonsten sei sie noch nicht so oft in der Ostschweiz gewesen. «Einmal waren wir in Frauenfeld in den Ferien.» Um die Bauern in der Umgebung zu besuchen, denen ihr Vater Kühe verkauft hatte.
Ostschweizer mit Pfiff
Läderachs Vereinskollege Stefan Zürcher kennt die Ostschweiz ein bisschen besser. «Meine Freundin lebt in Oberbüren», erzählt der 20-Jährige aus dem Emmentaler Dorf Arni. Letztes Jahr war er privat an der Olma, dieses Mal verkauft er an der kleinen Bar der Jungzüchter Kaffee mit «Nidle» (Schlagrahm) und Berner Bier, um die Vereinskasse aufzubessern. «Wer nicht an die Olma geht, verpasst etwas», sagt Zürcher. Sein Eindruck von der Ostschweiz? «Die Leute haben hier mehr Pfiff als bei uns.» Zudem sei die Landschaft ziemlich flach.
Mozzarella aus dem Emmental
Dieser Ansicht ist auch der Besitzer der beiden Wasserbüffel, der Exoten unter den Kühen. «Ich heisse Bieri Hans», sagt der bärtige Bauer, der in Schangnau – «zuoberst im Emmental» – lebt. Bieri hat 30 Wasserbüffel, aus deren Milch Mozzarella produziert wird.
«Ich war schon vor 30 Jahren an der Olma», sagt Bieri im breiten Emmentaler Dialekt. Er und seine Frau würden während der Messe bei Bekannten in Wattwil übernachten. «Allerdings fahre ich diesen Abend nochmals nach Hause», sagt Bieri. Und am nächsten Tag müsse er an eine Käsedegustation in Basel. «Danach komme ich hierher zurück.» Bieris Wasserbüffel kriegten am gestrigen Eröffnungstag hohen Besuch. Micheline Calmy-Rey schaut vor dem obligaten Fototermin mit Ferkel kurz bei den Tieren vorbei.
«Eine familiäre Messe»
Im Tross der Bundespräsidentin befindet sich auch Urs Zaugg, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern. «Ich habe bereits eine Olma-Bratwurst gegessen», sagt der Ehrengast. Ohne Senf, wie er schnell anfügt. Zaugg ist das erste Mal an der Olma. «Es ist sehr familiär hier, die Leute kennen einander.» Die Ostschweiz kenne er aber bereits von Besuchen seines Onkels, der als Käser im Thurgau Fuss gefasst habe. «Die Region ist sympathisch, ländlich und innovativ.»
Obsternte in Weinfelden
Auch Hanni Zenger hat Verwandtschaft in der Ostschweiz. Die Berner Oberländerin kocht am Stand des Verbands Bernischer Landfrauen in der Halle 9 Berner Gerichte. Bei der Ostschweiz denke sie vor allem an Obst, sagt Zenger. «Als Kind habe ich den Verwandten in Weinfelden regelmässig bei der Obsternte geholfen.»
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