Ausgezeichnete Kulturüberrascher

Das Forum andere Musik setzt sich mit ungewohnten künstlerischen Mitteln mit unserem Lebensraum auseinander. Dafür hat es gestern den Kulturpreis erhalten.

20. November 2008, 01:30
DIETER LANGHART

Frauenfeld – Ja, der Kulturpreis sei eine Überraschung, sagte Präsidentin Claudia Rüegg im Namen des Forums andere Musik. Nein, sie wüssten noch nicht, was mit dem Preisgeld von 20 000 Franken anfangen. Und am wichtigsten: Kreativität und Vertrauen der mitwirkenden Kulturschaffenden und Austausch und Begleitung durch ein offenes Publikum. Claudia Rüegg nannte das Forum einen «vagabundierenden Wanderzirkus»: präzis in der Arbeit, aber nicht leicht fassbar.

Ein Verein ist das Forum andere Musik, und ohne Vereine gäbe es im Thurgau kaum ein Kulturleben, sagte Regierungsrätin Monika Knill einleitend. Ihr ehrenamtlicher Einsatz sei unverzichtbar, und das Publikum erwarte Professionalität. Monika Knill gratulierte dem Forum für die «vorbildliche Kulturvermittlung an der Schnittstelle zwischen professionellem Kulturschaffen und Alltagskultur».

Verlässt vorgespurte Bahnen

Peter Schweiger, Schauspieler und früherer Schauspieldirektor des Theaters St. Gallen, lobte die Auszeichner und die Ausgezeichneten. Die Kulturkommission hat dem Regierungsrat einen innovativen Veranstalter für zeitgenössische Kultur vorgeschlagen, der immer wieder neue Kulturerlebnisse ermöglicht, weil er vorgespurte Bahnen verlässt und sich auf Experimente einlässt. Grössten Respekt fordere ihm die Betonung des Überraschenden beim Forum ab, sagte Schweiger.

Das Forum andere Musik denke und arbeite in Prozessen, deren Ergebnisse nicht im Vornherein feststünden. Und seine Vermittlungsarbeit habe eine gesellschaftliche Dimension, da Kunstwerke in Zusammenhänge gestellt würden, die über die Wahrnehmung der Werke weit hinausgingen.
1993 hat der Weinfelder Komponist Ulrich Gasser das Forum andere Musik gegründet, das sich seit 2000 nicht nur der Musik widmet, sondern spartenübergreifende Veranstaltungsreihen organisiert. Der kürzlich verstorbene Mauricio Kagel sei «einer der Ahnen der Gedankenwelt des Forums», sagte Schweiger, der zusammen mit dem Kleinen Blasorchester und seiner kleinen Kagel-Lesung «das Festgremium unterhielt».
Kagels fünf «Märsche, um den Sieg zu verfehlen» nutzte Schweiger zur scheinbar verblüffenden These, zeitgenössische Kunst richte seine Anstrengungen auf ein Ziel, «das dann nicht nur verfehlt wird, sondern sogar nicht erreicht werden soll». Doch es gehe nicht um das Gelingen einzelner Werke, die nur Bausteine zur Darstellung unserer Sicht auf die Welt und die Menschen seien. Ziel sei «die Offenheit, der Mut und die sich selbst befragende kritische Heiterkeit im Falle des hoffentlich nur vorläufigen Scheiterns». Schweiger dankte dem Forum als Kollektiv, das uns beispielhaft vorführe, «wie eine Idee realisiert werden muss, die viele Namen haben kann, auch vieler Wege sich bedient, aber mit Sicherheit sich nicht triumphierend in der Einmaligkeit einrichtet».

Ausgezeichnete Kulturüberrascher

Das Forum andere Musik setzt sich mit künstlerischen Mitteln mit unserem Lebensraum auseinander. Dafür ist ihm gestern der Kulturpreis überreicht worden.

Frauenfeld – Ja, der Kulturpreis sei eine Überraschung, sagte Präsidentin Claudia Rüegg im Namen des Forums andere Musik. Nein, sie wüssten noch nicht, was mit dem Preisgeld von 20 000 Franken anfangen. Und am wichtigsten: Kreativität und Vertrauen der mitwirkenden Kulturschaffenden und Austausch und Begleitung durch ein offenes Publikum. Rüegg nannte das Forum einen «vagabundierenden Wanderzirkus»: präzis in der Arbeit, aber nicht leicht fassbar.

Ein Verein ist das Forum andere Musik, und ohne Vereine gäbe es im Thurgau kaum ein Kulturleben, sagte Regierungsrätin Monika Knill einleitend. Ihr ehrenamtlicher Einsatz ist unverzichtbar, doch das Publikum erwarte Professionalität. Monika Knill gratulierte dem Forum für die «vorbildliche Kulturvermittlung an der Schnittstelle zwischen professionellem Kulturschaffen und Alltagskultur».

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Peter Schweiger, Schauspieler und früherer Schauspieldirektor des Theaters St. Gallen, lobte die Auszeichner und die Ausgezeichneten. Die Kulturkommission hat dem Regierungsrat einen innovativen Veranstalter für zeitgenössische Kultur vorgeschlagen, der immer wieder neue Kulturerlebnisse ermöglicht, weil er vorgespurte Bahnen verlässt und sich auf Experimente einlässt. Den grössten Respekt fordere ihm die Betonung des Überraschenden ab, sagte Schweiger.

Das Forum andere Musik denke und arbeite in Prozessen, deren Ergebnisse nicht im Vornherein feststünden. Bei seiner Vermittlungsarbeit habe das Prozesshafte auch eine gesellschaftliche Ausrichtung: «Kunstwerke werden in Zusammenhänge gestellt, die über die Wahrnehmung dieser Werke weit hinausgehen.»
1993 hat der Weinfelder Komponist Ulrich Gasser das Forum andere Musik gegründet, das sich längst nicht mehr nur der Musik widmet, sondern spartenübergreifende, thematisch ausgerichtete Veranstaltungsreihen organisiert. Der kürzlich verstorbene Mauricio Kagel sei «einer der Ahnen der Gedankenwelt des Forums», sagte Schweiger, und die fünf «Märsche, um den Sieg zu verfehlen», die das Kleine Blasorchester darbot, nutzte Peter Schweiger zur scheinbar verblüffenden These, zeitgenössische Kunst richte seine Anstrengungen auf ein Ziel, «das dann nicht nur verfehlt wird, sondern sogar nicht erreicht werden soll». Doch es gehe nicht um das Gelingen eines einzelnen Werkes, das – wenn es als Meisterwerk bezeichnet wird – sein Ziel erreicht hat. Da jedes Werk nur ein Baustein zur Darstellung unserer Sicht auf die Welt und die Menschen sei, werde sichergestellt, «dass jede eindeutige Aussage zugunsten einer lebbaren Wahrheit unterlaufen wird».

Unser Ziel sei «die Offenheit, der Mut und die sich selbst befragende kritische Heiterkeit im Falle des hoffentlich nur vorläufigen Scheiterns». Schweiger dankte dem Forum als Kollektiv, das uns beispielhaft vorführe, «wie eine Idee realisiert werden muss, die viele Namen haben kann, auch vieler Wege sich bedient, aber mit Sicherheit sich nicht triumphierend in der Einmaligkeit einrichtet».


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