Ein knallhartes Handwerk

Georg Fehr ist einer der wenigen Geisselmacher in der Schweiz. Im Erler Familienbetrieb werden im Jahr rund 200 Geisseln von Handhergestellt.
06. Oktober 2008, 01:30

erlen – Eine Grundvoraussetzung für das gute Gelingen der Peitsche ist guter Flachs. «Er muss schön fallen wie gut gekämmtes Haar, bevor er gesponnen werden kann», sagt Georg Fehr. Er bindet sich die blaue Handwerkerschürze um den Bauch, steckt die beiden Zipfeln in die Hosentasche, sodass eine «Kängurutasche» entsteht. Der Flachs wird auf der Spinnmaschine eingefädelt. Rückwärts laufend, zupft er gerade soviele Flachsfasern aus der Tasche, dass eine regelmässige Schnur entsteht, die gegen das Ende hin dünner wird. Das Ende wird an einem Holzbock befestigt. Der Arbeitsgang wird viermal wiederholt. Dann werden die vier rund sieben Meter langen Schnüre zusammengedreht.

Die Peitsche soll am Schluss 160 Zentimeter lang, 16 Millimeter dick sein und ein Gewicht von rund 160 Gramm haben. Das Gewicht ist sehr wichtig für die Funktion der Geissel, die Abweichung darf höchstens 10 Gramm betragen, ist vom Fachmann zu erfahren. «Wenn ich eine Serie Peitschen herstelle, brauche ich jeweils zwei bis drei Stück, bis ich das Gefühl für die richtige Dosierung des Flachses habe.» In einem weiteren Arbeitsgang wird die Schnur an einer einfachen, selbst konstruierten Maschine so verwunden, dass sie die gewünschte Dicke und Länge annimmt.

Harte Geduldsprobe

Das Handwerk hat Georg Fehr vor15 Jahren von einem Geisselmacher gelernt, der in Ruhestand ging. «Nicht aus finanziellen Überlegungen, sondern aus Liebe zu diesem alten Handwerk.» Der Einstieg in das Handwerk des Peitschenmachers habe seine Geduld auf eine harte Probe gestellt. «Von den Kunden bekam ich am Anfang ständig Verbesserungswünsche. Dabei ging es um ein paar Gramm oder um Zentimeter.» Doch der Durchhaltewille lohnte sich; heute gibt es viele «Geisselchlöpfer», die nur eine Peitsche aus der Erler Werkstatt wollen.lHUGO BERGER



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