Hintergründiges wird sichtbar

Der Werkkatalog «Zero-position», eben bei Niggli in Sulgen erschienen, stellt die Arbeiten des Künstlerpaars Steffenschöni zwischen 1987 und 2007 in Wort und Bild vor und gibt einen trefflichen Überblick über ihr Schaffen.
08. Mai 2008, 01:30

Steffenschöni – das sind Heidi Schöni und Karl Steffen aus Schmidshof – sind im Thurgau wohlbekannt. Der jüngst von Niggli verlegte Katalog gibt auf knapp 90 Seiten einen reich bebilderten Einblick in das Schaffen des Künstlerpaares seit 1987.

Ein einleitender Text von Dorothee Messmer, Kuratorin des Thurgauer Kunstmuseums, führt einfühlsam in die Werkentwicklung ein. Sie erinnert sich noch selbst an die Anfänge des Paares und legt deren künstlerische Strategien offen. Ein Essay von Frank Nievergelt spürt der «technischen Einbildungskraft» in Steffenschönis Werk nach, und Thomas Kramer ordnet das Werk in Strömungen des Zeitgeistes und der Künstlerszenen ein.

Reflexion über Wirklichkeit

Steffenschöni machen Hintergründiges sichtbar. Dazu gehört auch eine Reflektion dessen, was eigentlich Wirklichkeit ist, denn Wirklichkeit wird zunehmend von Medien definiert, und so dienen den Künstlern mediale Verfahren zur Sichtbarmachung der Wirklichkeitskonstruktion. Ebenso gehört die Reflektion über die eigene Wahrnehmung dazu, die sich ihrer Mechanismen bewusst zu werden versucht. Inszenierte Archäologie, scheinbar wissenschaftliche Genauigkeit, elektronische Vermittlung – das sind Verfahren, die uns bisweilen glauben machen, etwas sei so

Die Materialien und Mittel der Künstler sind oft einfach: Fundstücke, Pflanzen, Fotogramme, Projektionen usw. Die vordergründigen Themen sind unspektakulär; etwa ein trockenes Bassin in einem Villengarten, das Steffenschöni – wie in der Arbeit «Zone» im Jahr 2000 in Ermatingen – mit neuer Bedeutung besetzten, indem sie den Schriftzug «Zone» dort sichtbar werden liessen. Das Künstlerpaar versteht es, aus dem Nichts oder aus scheinbar belanglosen Fundstücken Bedeutung zu erzeugen. Es geht nicht um die Fundstücke, sondern um die Gedankenkonstruktion, die sich um diese gelegten Spuren windet. Die Selbstreflektion der künstlerischen Methoden, die Verschiebung des Fokus von einem «Was» auf das «Wie» entsprechen dem Diskurs zeitgenössischer Kunst, bergen jedoch die Gefahr, die Verhältnismässigkeit aus dem Auge zu verlieren, wenn es um gewichtige Themen der Erinnerungsarbeit geht (siehe Kasten zur Triennale).
Das Künstlerpaar Steffenschöni gehört zur schweizerischen Avantgarde. Dies wird anschaulich beim Blättern im Katalog. Die Werke reihen sich in umgekehrter Zeitfolge zu einem «catalogue raisonné» auf, der durch Kurzbeschreibungen und eine reiche farbige Bilderdokumentation eine gute Vorstellung seines künstlerischen Schaffens geben.
lDOROTHEE KAUFMANN

steffenschöni: zeroposition

Niggli, Sulgen 2008. 103 Seiten, 387 Abbildungen, deutsch/englisch. 42 Franken.


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