Am Samstag öffnete Arthur 2 seine Tore – der Verein Kunsthalle Toggenburg macht die Iburg zum Ort zeitgenössischer Kunst

Iburg ist nicht bloss hübsch

Wattwil. Während drei Wochen ist die Iburg Kunstort. Ostschweizer Kunstschaffende haben sich mit der Burg beschäftigt. Das Resultat: ironisch und poetisch, diskret provokativ.
17. September 2007, 00:30
Hansruedi Kugler

Ein Wahrzeichen ist die Iburg – hübsch anzusehen, als Grillplatz und Aussichtspunkt beliebt, trotzdem bloss eine Ruine: Stein, Holz und Mörtel und innen leer. Ein halbes Dutzend Kunstinterventionen lassen ahnen: Am heute nüchternen Ort wurde überwacht und kontrolliert und düstere Geschichten gab es hier wohl auch.

Kontrolliert und überwacht

Hans Thomann und das Künstlerpaar Steffen-Schöni spielen mit der Kontrollfunktion der Burg: Überwachungsmonitore aus Beton erinnern an die frühere Schaltstelle der Kontrollmacht der Burgherren und inszenieren gleichzeitig eine archäologische Ausgrabung. Bei Thomanns Satellitenschüsseln mit Notausgang-Piktogramm an der Burgmauer werden die Wattwiler schmunzeln: Die mächtige Mobilfunk-Antenne auf dem Chapf winkt aus dem Hintergrund. Der Chapf als moderne Trutzburg der Kommunikation ist auch von aufmüpfigen lokalen Bürgerinitiativen nicht zu knacken, sie steht thronend wie die Iburg über dem Dorf.

Himmel-Hölle am Jakobsweg?

Jede Etage des Turms ist eine eigene Kunst-Etage: Zuunterst der «Überwachunsraum». In der Zwischen-Etage liegt das Bild «Himmel und Hölle» von Kathrin Kummer: Die Iburg liegt am Jakobsweg, die Pilger auf dem Weg, ihre Sünden zu sühnen, ein Stück Hölle abzutragen, ein Stück Himmel zu erhaschen. Gerät der heutige Betrachter ins Grübeln, ob Hölle oder Himmel besser gefällt?

Unheimlich und fröhlich-grotesk

Auf einer anderen Etage flimmert Arno Oehris Video «This garden ist for you» an der Wand: Eine Schwangere hält ein rohes Poulet vor dem Bauch, daneben ein junger Mann, unbeteiligt. Mit der düsteren Symbolik und der kühlen Beziehungs-Szenerie belebt Oehri den Turm mit unheimlicher Erzähltradition und verweist auf das verborgene Legendenhafte, das solche Burgruinen oft zu schillernden Projektionen macht. Im dunklen Turm das Unheimliche, draussen am Licht ironische Heiterkeit: Tritt man auf die Burgmauer ins Helle, scheint dies die Absicht der Ausstellungsmacher zu sein: Die beiden Drachen von Doris Naef jedenfalls züngeln farbenfroh ihre Bänder in die Luft.

War da was mit dem Kreuz?

Schaut man dann auf die Schweizer Fahne, sieht man kaum, dass da jemand herumgenäht hat. Jan Kaeser aber hat das Kreuz leicht verformt auf die Fahne aufgenäht, ein Frage-Spiel darüber, was mit dem Schweizbild geschieht, wenn ihr Symbol ungewohnt schräg wird?

Einiges an Aktionskunst ist geplant während den kommenden drei Wochen. An der Vernissage gab die Künstlergruppe Biwak einen ersten Vorgeschmack: Sie kochten auf mächtigem Feuer Suppe für alle. Das gemeinsame Suppe-Essen auf offenem Feuer jedenfalls traf das derzeitige Nomadentum des Kunstvereins.


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