Pro Wattwil hat im Rahmen des Konzertzyklus zu einem besonderen Abend mit der «Kleinen Kantorei Zürich» eingeladen

Barockmusikalische Sternstunde

Wattwil. Im Rahmen des Konzertzyklus von Pro Wattwil mit der Überschrift «Bach – Soli Deo Gloria» gastierte die Kleine Kantorei Zürich zusammen mit dem Streichorchester «il mosaico» und Solisten mit einem reinen Bach-Programm in der Evangelischen Kirche.
18. September 2007, 00:30
Vreni Neher

Die Kleine Kantorei Zürich steht unter der Leitung von Johannes Günther, das Jugendorchester «il mosaico» wird von Hermann Ostendarp dirigiert. Die zutiefst fesselnden Bach-Werke wurden für die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem ganz besonderen Ereignis. Solistisch wirkten mit: Isaac Duarte Oboe, Jonas Moosmann auf der Violine, Marlen Saladin Sopran, Jan Thomer Altus, Raphael Höhn Tenor und Manuel Walser Bariton.

Begeisternden Geiger

Der stimmungsvolle Abend begann mit dem vielgehörten Konzert in a-moll für Violine solo, Streicher und basso continuo BWV 1041, das Bach 1720 in Köthen komponierte. Das prägnante Kopfmotiv im ersten Satz, dem Allegro, wird als Melodie vom Solisten weitergesponnen. Im 2. Satz, dem anfänglich gemächlich dahinschreitenden Andante, herrscht die ostinate Bassfigur vor. Die filigranen gefühlsbetonten Passagen spielte Jonas Moosmann (Violine) mit berückendem Klangsinn. Der virtuose Schlussteil, allegro assai, ist geprägt von einem tänzerischen Charakter; die klare straffe Formgestaltung dieses Werkes wurde vom begeisterten Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus bedacht. Die Kantate «Wer da gläubet und getauft wird» komponierte Bach zu Christi Himmelfahrt während seiner Leipzigerzeit. Den weitaus grössten Teil in Bachs kirchenmusikalischem Schaffen, nehmen die Kantaten ein, von denen noch etwa 200 erhalten sind. Kantaten sind ein aus Chorsätzen und Einzelgesängen, Duetten, Terzetten usw. bestehende grössere Vokalwerke mit Instrumentalbegleitung. Die Himmelfahrtskantate begann mit der Tenor-Arie «Der Glaube ist das Pfand der Liebe», gefolgt von einem reizvollen, von behutsamer Zärtlichkeit geprägten Duett von Sopran und Tenor, einem Höhepunkt dieses sakralen Werkes. Eher dramatisch klangen die Bass-Motive – sie forderten auf, gute Werke zu tun um vor Gott gerecht zu sein. Erlösend und wunderbar befreiend endete die Kantate mit dem Choral «Den Glauben mir verleihe.»

Brillante Sänger/innen

Das Konzert in D-Dur für Oboe d'amore, Streicher und basso continuo wurde in einer fesselnden Interpretation von Isaac Duarte vorgetragen; energiegeladen und virtuos meisterte er die anspruchsvollen Passagen dieser beschwingten Komposition. Die Missa in G-Moll, BWV 235, entstand um 1738. Bach hat für alle sechs Teile dieses Werkes Sätze aus geistlichen Kantaten als Vorlage verwendet, die er bereits 1726 komponiert hatte. Der Chor interpretierte die einzelnen Sequenzen mit stimmlicher Intensität und sängerischer Kultur. Unaufdringliche Brillanz prägten die Arien der Vokalsolisten, wobei der Counter-Tenor Jan Thomer mit Leichtigkeit die Höchsten Töne erlangte.

Mit einem grossen Applaus bedankte sich das Publikum bei den Ausführenden für diesen ausserordentlich gehaltvollen, musikalischen Abend.


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