Historische Handwerkskünste am Wochenende in Frasnacht – einmaliges Erlebnis für gross und klein

Mit Silexstein ein Reh zerlegen

Frasnacht. Wer schon immer einmal miterleben wollte, wie ein Reh mit einem Silexstein zerlegt wird, oder aus einen selbstbearbeiteten Kuhhorn trinken wollte wie die alten Wikinger, der kommt am Wochenende auf seine Kosten.
16. April 2008, 00:30
Annina Flaig

Ihnen ist nicht langweilig. Sie sind auch nirgends ausgerissen. Bei ihnen zeigt es sich nur öfter als bei anderen: das Kind im Manne. Remo Gugolz (43) und Felix Immler (33) werfen mit Speeren und machen Feuer. Der eine ist Naturpädagoge, der andere Sozialpädagoge.

Kürzlich haben sie gehört, dass man aus einer alten Feile ein Messer schmieden könne. Nachts träumten sie davon. Das hörte nicht auf, bis sie auf einem Bauernhof in der Innerschweiz eine Schmiedeesse abtransportieren durften. «Schon die ersten Versuche übertrafen unsere Erwartungen. Wir sind stolz auf unsere Messer», freuen sich die beiden, die sich auf dem Gebiet «historische Handwerkskünste» in den letzten Jahren einiges an Wissen angeeignet haben. Dies wollen die zwei St. Galler mit anderen Interessierten jetzt gerne teilen. Deshalb findet kommendes Wochenende ein Markt für historische Handwerkskünste statt, und zwar am «Ort der Begegnungen» in Frasnacht.

Ein Tier zerlegen

Am Samstag und Sonntag bietet sich Gelegenheit, historischen Handwerkern wie Drechsler, Gerber, Geisselmacher und Falkner bei der Arbeit zuzuschauen. Feuerstahl, Seile, Schmuck und Trinkhörner können selbst hergestellt werden. Es gibt Verpflegungsstände, Marktstände, Pfeilbogen- und Speerschleuderschiessen und einiges mehr. Und wer sich nicht zu schade ist, der kann Bogenjäger Kurt Mischler helfen, ein Tier zu zerlegen, das Fell abtrennen und das Fleisch auf der Glut selber braten. «Wir wollen damit die Geschichte unserer Ahnen bildhaft, greifbar und erlebbar machen», erklären die Initianten.

Natur näher bringen

Das ganze ist eine Weiterführung des «Steinzeitevents», der letztes Jahr in St. Gallen stattgefunden hat. Warum die beiden St. Galler mit ihren Ideen jetzt in den Thurgau kommen? «Weil wir hier die Chance haben, ein lange schlummerndes Projekt zu verwirklichen», antwortet Remo Gugolz, der auch Gründungsmitglied des Vereins «Waldkinder St. Gallen» ist. Der Anlass vom Wochenende ist ein Vorgeschmack auf einen Erlebnisgarten, der in Frasnacht realisiert werden soll (siehe Kasten). Die Idee hinter der Veranstaltung vom Wochenende und dem Erlebnisgarten, der später am gleichen Ort realisiert werden soll, ist die gleiche: «Wir wollen, dass die Leute mit Freude und Interesse in die Natur hinausgehen», erklären die beiden. Felix Immler gibt zu bedenken: «Ich muss bei meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer wieder feststellen, dass ihre Kenntnisse über unseren biologischen Lebensraum erschreckend klein sind. Es gibt unzählige spannende Sachen, welche man in der Natur mit wenig Mittel und Aufwand herstellen oder erleben kann.»

Dass Interesse für solche Projekte da sei, hätten die Einschaltquoten der Schweizer TV-Soap «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» gezeigt. In St. Gallen hat der Steinzeit-Anlass letztes Jahr 600 Besucher angezogen und war ein Erfolg. «Im Thurgau könnte sogar noch mehr drinliegen», sagen die beiden.

Markt für historische Handwerkskünste: Samstag, 19. April, 9.00– 19.00 Uhr; Sonntag, 20. April, 9.00–16.00 Uhr, am Ort der Begegnungen, Kratzern 33, Frasnacht. Parkmöglichkeiten bei der Firma Bruderer oder beim Strandbad Arbon.


Erlebnisgarten geplant

Nicht nur ein Event, sondern ein dauerhafter Erlebnisgarten mit Pfahlbauerhäusern, Spielplatz, Fachkursen und zahlreichen Workshops zum Thema traditionelles Handwerk und Kultur- und Überlebenstechniken für geschichtlich und naturkundlich interessierte Leute jeden Alters ist geplant. Angesprochen sind auch Schulklassen, Vereine oder Firmen, die sich zur Abwechslung mal mit traditionellem Handwerk an die Arbeit machen wollen. Der ehemalige Biobauernhof und «Ort der Begegnungen am Bodensee» von Josefine Müller in Frasnacht sei dafür der ideale Platz, sagen Remo Gugolz und Felix Immler. Zusammen mit der Besitzerin des ehemaligen Biobauernhofes möchten sie das lange gehegte Projekt in den nächsten zwei Jahren verwirklichen. Weitere Informationen gibt's unter www.buchhorn.ch. (afl)


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