Der zwölfjährige St. Galler Sebastian Klinger hat mit seinem Science-Fiction-Film einen Filmpreis gewonnen

Tüftler mit Laserschwert

Weil er alle «Star Wars»-Filme auswendig kennt,hat Sebastian Klinger selber einen Science-Fiction-Film gedreht: «Der Chip der Macht». Schnelle Schnitte und originelle Special Effects sind die Stärken seines Amateurfilms.
13. Dezember 2006, 00:30
Melissa Müller

«Er ist der Spielberg aus St. Gallen», schrieb der «Blick». «Die Hoffnung des jungen Schweizer Actionfilms.» Damit gemeint ist der zwölfjährige Sebastian Klinger: Mit seinem Science-Fiction-Abenteuer «Der Chip der Macht» hat er am Schweizer Jungfilmfestival in Luzern den Nachwuchspreis gewonnen.

«Ich mag hektische, schnelle Filme», sagt der Jungfilmer, der im Guggeien-Quartier wohnt und im Notkerschulhaus die Sek besucht. Sebastian kennt alle «Star Wars»-Episoden auswendig. «Deshalb hatte ich Lust, einen Film im Stil von "Stars Wars" zu drehen, aber ohne das Original zu kopieren.»

Die Galaxie versklaven

Die Story hat er in langweiligen Schulstunden ausgeheckt: Sie handelt von den zwei Bösewichten Ventilator und Dar Vida, die die Galaxie versklaven wollen. Dazu stellen sie eine «Space Cola» her – ein Getränk, das willenlos machen soll. Das Rezept ist auf dem «Chip der Macht» gespeichert, hinter dem drei junge Helden her sind. Auf der Jagd nach dem gefährlichen Chip lauert hinter jeder Ecke ein Feind, den die Helden mit Laserschwertern aus dem Weg räumen müssen.

Sebastians Siegerfilm dauert eine halbe Stunde. Er bietet futuristische Kulissen, Raumschiffe und Action – eben alles, was zu einem Science-Fiction-Film gehört. Von einem Hollywood-Studio oder einem fetten Budget kann der Sekundarschüler nur träumen. Dafür hat er eine Familie, die vom Filmen ebenso angefressen ist: Vater Klinger führt die Kamera, Mutter Klinger näht Kostüme. Bruder Roland spielt im «Chip der Macht» einen Bösewicht. Sebastian und seine Freunde spielen die restlichen Rollen.

Das «Making of»

An den Special Effects hat Familie Klinger einen Winter lang getüftelt. Stolz ist Sebastian auf die Actionszenen mit Laserschwertern, die er am Computer nachträglich bearbeitet hat. Die Illusion ist perfekt. Sein Vater hat ihm bei den Tricks unter die Arme gegriffen: Aus silbernen Petflaschen haben sie ein Raumschiff gebastelt.

Wie bei «Herr der Ringe»

Der Schluss des Films erinnert an «Herr der Ringe»: Die Helden müssen den Chip der Macht vernichten, indem sie ihn in den Krater eines rauchenden Vulkans werfen. «Den Vulkan haben wir aus einem alten Blumentopf gebaut», verrät Sebastian. Auch bei den Drehplätzen liessen sich die Filmemacher einiges einfallen: Für das Intro haben sie eine dramatische Verfolgungsjagd im Keller des Kantonsspitals gedreht; andere Szenen spielen im Wildpark Peter und Paul und im Galgentobel. Um einen Wüstenplaneten zu simulieren, stiegen die Jugendlichen auf die Kieshaufen einer Baustelle. Und weil die Helden im Film einen Eisplaneten besuchen, wurde letzten Winter auch auf der Schwägalp gefilmt.

Action ohne Liebesgeschichte

«Ein paar Szenen mussten wir x-mal wiederholen, weil wir die ganze Zeit lachen mussten», sagt Sebastian Klinger. Anders als «Star Wars» kommt «Der Chip der Macht» ohne Liebesgeschichte aus. Der Film gönnt keine Verschnaufpausen, aber eine Menge Kämpfe – als Leiche diente eine grosse Stoffpuppe. Für Sebastian ist «Der Chip der Macht» schon die vierte Filmproduktion.

Andenken an ein Kaninchen

Seine «Filmfirma» nennt er «Hoppel Pictures» – als Andenken an ein Haustier. «Hoppel war ein zahmes Kaninchen, das leider gestorben ist.»

«Jedes Mal, wenn ein Film fertig ist, fühle ich mich ein bisschen traurig», sagt Sebastian. Für seinen nächsten Film hat er schon ein paar Ideen im Kopf.

Weitere Informationen: www.hoppelpictures.ch


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