St. Gallerin engagiert sich für Selbsthilfeprojekt palästinensischer Christen

Arbeitsplätze, nicht Almosen

Dank der Friedenskonferenz in den USA ist der Nahe Osten wieder in allen Schlagzeilen. Ilse Scarpatetti kennt die Region. Und wirbt für ein Selbsthilfeprojekt zugunsten der Zivilbevölkerung in Westjordanland.
29. November 2007, 00:30

Ilse Scarpatetti wohnt und arbeitet seit 1978 in der Gallusstadt. Sie ist Psychologin mit den Fachgebieten Psychotherapie, Notfall-Psychologie, Eheberatung und Mediation. Daneben engagiert sich die Mutter zweier erwachsener Töchter für die Menschen in Palästina.

Dafür reiste sie seit 2001 mehrmals in die von Israel besetzten Palästinensergebiete. Sie kennt aus eigener Anschauung die Situation der Zivilbevölkerung in Westjordanland und im Gaza-Streifen. 2006 war sie nach der Auseinandersetzung zwischen der Hamas und israelischen Truppen im Libanon, wo sie sich in psychologischen Hilfsprojekten für die kriegstraumatisierte Zivilbevölkerung engagierte.

Wirtschaft liegt am Boden

Auf ihren Reisen kam Ilse Scarpatetti mit einer kleinen palästinensischen Minderheit in Kontakt: mit Christen, deren Existenz in Europa fast unbekannt ist. Die St. Gallerin unterstützt jetzt ein Hilfsprojekt für die Gemeinde von Taybeh, dem biblischen Ephraim. Der Ort, etwa 30 Kilometer von Jerusalem entfernt, ist die einzige rein christliche Gemeinde des Westjordanlands.

Das Leben für palästinensische Christen, so erzählt Ilse Scarpatetti vom letzten Aufenthalt diesen Oktober, sei alles andere als einfach. Die wirtschaftliche Situation im israelisch besetzten Gebiet sei für Palästinenserinnen und Palästinenser katastrophal. Es fehle an allem. Viele Christen von Taybeh seien aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch als Folge von Übergriffen israelischer Siedler oder von Schikanen durch die Besatzungsbehörden abgewandert. Statt 3000 zähle der Ort noch 1500 Einwohnerinnen und Einwohner.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ein grosses Problem für die meisten Palästinenserinnen und Palästinenser sei es, einen Job zu finden. Der Tourismus zu den biblischen Stätten habe sich zwar erholt. Vom Strom der Pilger hätten die Einheimischen aber kaum mehr etwas. Viele hätten auch durch den Bau der israelischen Sicherheitsmauer Land und Existenzgrundlage verloren.

2004 hat Raed Abusahlia, katholischer Priester von Taybeh, ein Selbsthilfeprojekt für seine Gemeinde auf die Beine gestellt. Dies, um Arbeitsplätze zu schaffen und neue Handelskanäle für landwirtschaftliche Ressourcen zu öffnen. Kern des Projektes ist eine moderne Industrie-Olivenpresse. Mit ihrer Hilfe wird Speiseöl, aber auch Öl für Lampen produziert. Weitere Artikel sind Kerzen, Seife und Keramik. Sie werden per Internet (www.taybeh.info) angeboten.

Friedenslicht für Palästina

Keramik und Lampenöl stehen im Zentrum einer Aktion, die Ilse Scarpatetti jetzt bei uns in der Vorweihnachtszeit bekanntmachen möchte: Im Taybeh-Internetshop gibt's Öllampen in Form von Friedenstauben. Das kleinste Set mit einer Lampe, Öl und Docht kostet zehn Euro. Gedacht sind die Friedenslichter zum einen für Kirchen: Raed Abusahlia möchte, dass an möglichst vielen Orten auf der Welt so ein Licht aufgestellt und um Frieden fürs Heilige Land gebetet werde, erläutert Scarpatetti. Sie glaubt, dass so ein Friedenslicht aber sehr wohl auch «ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk für jemanden sein kann, der sonst schon alles hat». (vre)

Kontakt: i.scarpatetti@bluewin.ch Produkte aus Taybeh sind derzeit auch im Taufzimmer der Stadtkirche St. Laurenzen ausgestellt.


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