Neuer Quartiertreffpunkt «B-Post»

St. Georgens Langsam-Bar

Seit kurzem hat St. Georgen einen Treffpunkt mehr: Die «B-Post» an der Demutstrasse. Ein zehnköpfiges Team hat aus dem ehemaligen Verkaufslokal im Jugendstil eine Bar gemacht.
20. Oktober 2007, 00:30
Roger Berhalter

Freitag ist B-Post-Tag. Einmal in der Woche, von 18 Uhr bis Mitternacht, verwandelt sich das ehemalige Verkaufslokal an der Demutstrasse 2 in eine Bar. Auf Polsterstühlen an Holztischen, mit Blick auf hohe Schaufenster und verglaste Einbauschränke, lässt sich die Zeit vergessen und das Leben etwas langsamer angehen – im B-Post-Tempo eben.

Am knallroten Tresen werden Drinks ausgeschenkt und hausgemachte Kuchen und Antipasti gereicht.

Den Raum erhalten

Hinter der Bar und den Kulissen ist ein zehnköpfiges Team am Werk. Zusammen mit rund 30 Passivmitgliedern bilden sie den Verein Demut2. «Diese Struktur hat Vorteile», sagt Astrid Serwart, die im Verein die Finanzen verwaltet. Einen Chef gebe es in der «B-Post» aber nicht.

Zum Team gehören viele Neuzuzüger, aber auch Alteingesessene. Sie sind zwischen 40 und 50 Jahre alt, bis auf zwei wohnen alle im Quartier, viele haben Kinder. «Bevor es die <B-Post> gab, kannten wir uns nicht alle», sagt Serwart. Erst beim gemeinsamen Pläneschmieden kam man zusammen. «Der Raum hier ist so schön, wir wollten ihn unbedingt erhalten und etwas daraus machen. Für uns und für das Quartier», sagt B-Pöstlerin Christine Meyer.

Im Jugendstil-Bau an der Demutstrasse waren schon viele Mieter zu Hause. Früher war die «B-Post» ein Wolle- und Merceriegeschäft, einmal ein Laden für Arbeitsbekleidung, einmal eine Weinhandlung und zuletzt eine Näherei mit chemischer Reinigung. Die B-Pöstler mussten vielerorts Hand anlegen, um aus dem Verkaufslokal eine Bar zu machen: Sie bauten eine Küche ein, einen Boiler, eine Lüftung und eine zweite Toilette. Nötig waren auch Bewilligungen und passende Möbel. «Vieles war lange unsicher, nicht zuletzt die Finanzen», erinnert sich Astrid Serwart. Weil das Team vieles selber erledigte – alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich –, beschränkten sich die Investitionen auf 25 000 Franken.

Anfang Mai eröffnete die «B-Post». «Der Betrieb läuft gut», sagt Astrid Serwart heute. Das Publikum sei buntgemischt: Grauhaarige treten über die Türschwelle, während Kinder nach Gratissirup fragen. Bekannte aus der Innenstadt schauen vorbei, Nachbarn aus dem Riethüsli-Quartier, der Kirchenchor, das Lehrerteam.

Kulturelle Anlässe geplant

Auch dem Quartierverein gefällt das neue Angebot: «Die <B-Post> zeigt, wie lebendig unser Quartier ist. Sie ist unkonventionell, aber auf unspektakuläre Weise», sagt Präsident Martin Boesch.

Seit neustem kann man die «B-Post» auch für private Anlässe mieten, und am kommenden Montag findet der erste kulturelle Anlass statt: eine Lesung der Buchhandlung Bücherinsel.


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