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Tagblatt Online
24. August 1998, 00:30 Uhr

Verbündet für eine bessere Welt

Schweizerischer «Odd Fellow»-Tag in St.Gallen - 100 000-Franken-Spende

Die «Odd Fellows» nennen sich «weltlicher Orden». Ihre Ziele sind «Freundschaft, Liebe und Wahrheit», denen sie sich in gemeinsamer Arbeit annähern wollen. Am Samstag hielten sie ihr Treffen in St.Gallen ab.

JOSEF OSTERWALDER

Eine bescheidene Tafel an der Burgstrasse weist auf das Lokal der St.Galler Loge hin. Sonst aber treten die «Odd Fellows» kaum in Erscheinung. Das ist auch nicht die Absicht dieses weltlichen Ordens, der in der Schweiz rund 2300 Mitglieder zählt, gruppiert in 34 Männer- und 7 Frauen-Logen. Die jüngste von diesen wurde 1995 in St.Gallen gegründet.

Hohe Ziele zeitgemäss?

Die Ziele der Vereinigung sind zwar hoch gesteckt: «Freundschaft, Liebe und Wahrheit» sind als Grundwerte in den drei Ringen symbolisiert. Verbunden damit werden weitere Ziele angestrebt: «Veredelung des Charakters, Pflege der Freundschaft, Nächstenliebe, Toleranz und Hilfeleistung.» Dies alles verstanden als Beitrag zu einer besseren Welt; wobei den Odd Fellows vor allem etwas klar ist: Für dieses Ziel muss man nicht den andern bekehren, sondern an sich selber arbeiten. Der St.Galler Tag diente der Begegnung, der Odd-Fellow-Logen untereinander und mit der Bevölkerung.Dass dabei die Interessenten nicht gleich in Tausendschaften kommen, versteht sich. Die Werte, welche die Odd Fellows verkörpern, gelten heute nicht als «Reisser»: Verpflichtung auf eine Gemeinschaft hin, Arbeit an sich selber, dies steht dem Bedürfnis nach «Spass» entgegen, das heute auf der Hit-Liste der Lebensentwürfe oft an oberster Stelle steht.

Erinnerung an Bauhütte

Dennoch, das Interesse war da, und die Tagung im Waaghaus-Saal und in St.Katharinen stimmungsvoll. Im Kreuzgang des alten Klosters wurde auch die Erinnerung an die Entstehung der Odd Fellows wachgerufen: Sie gehen auf die Bauhütten im alten London zurück, waren ursprünglich eine Selbsthilfeorganisation von Steinmetzen. Entscheidend war die Neugründung von 1819 in den USA, von wo aus die Odd-Fellow-Bewegung sich um die ganze Welt ausbreitete. Heute ist sie besonders in den Benelux- und nordischen Staaten verankert, wo auch die Mitglieder des Köngishauses dem Orden angehören.

Zur Freude des Ständerats

Wer in seinem Programm auf Nächstenliebe hinweist, muss sich auch mit Taten ausweisen. Am Odd-Fellow-Tag in St.Gallen wurden 100 000 Franken an soziale Einrichtungen übergeben: 10 000 an die Selbsthilfeorganisation «ilco» (Menschen mit künstlichem Darm- oder Blasenausgang), 40 000 an das Lindlihuus Schaffhausen (Wohnheim für Körperbehinderte) und 50 000 Franken für das Zentrum für Wahrnehmungsstörungen in St.Gallen. Diese Vergabung erfolgte zur besonderen Freude des Stiftungspräsidenten, Ständerat Paul Gemperli, der es den Odd Fellows St.Gallen vorstellte: Das Zentrum arbeite ebenso im stillen wie die Odd Fellows selber, und doch gehe es in beiden Fällen um ein Werk, das Zukunft schaffe.



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