St. Galler Nachwuchsband Asool auf dem Sprung – Halbfinalplatz im nationalen Bandwettbewerb

«Moll ist einfach schöner als Dur»

Nach bisher nur sieben Live-Auftritten schaffen es die jungen St. Galler Asool in den Halbfinal des Bandwettbewerbs «Battle Of The Bands». Kommenden Sonntag spielen sie in Zürich um einen Platz im Final.
30. November 2005, 00:30
rachel hofmann

Asool, das sind fünf Musiker zwischen 16 und 24 Jahren, beruflich noch in der Lehre oder im Studium, in einem Fall auch schon Arzthelferin. Ihre Musikrichtung? «Es gibt keinen Namen dafür. <Melodramatic Rock> könnte man es nennen», erklärt Roger Gahler, Sänger und Leadgitarrist, «für Leute, die sich an Wörter klammern müssen.» In ein Schema lässt sich Asool ungern zwängen.

Ernsthaft bei der Sache

Zum Gespräch treffen wir uns im Probekeller. Hier ist in den letzten drei Jahren der Anfang eines Lebenswerks entstanden. Denn nichts weniger bedeutet Musik für Asool. «Es geht nicht nur darum, Spass zu haben», meint Roger, «Musik ist für mich ein grosses Projekt, für das man arbeiten muss, das aber auch sehr anstrengend ist. Ich will für mich selber etwas hinterlassen, damit ich später einmal darauf zurückblicken kann.» Lange Zeit sind Asool nicht aus dem Keller herausgekommen. Es habe einfach noch nicht gestimmt. Sie hätten den Anspruch, perfekt zu sein, wenn sie vors Publikum treten. Und nun ist ihnen zumindest der Sprung an die Öffentlichkeit perfekt gelungen. Aus 200 Bewerbern qualifizierten sie sich für die Teilnahme am «Battle Of The Bands». «Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir genommen werden», meint Schlagzeuger Simon Honegger. Doch Asool haben überzeugt; am 4. Dezember spielen sie im «Abart» um einen Finalplatz. Einfluss auf die Musik von Asool hatten Bands wie Muse, Deftones und Placebo. Lieder und Texte schreiben sie alle selbst. Der Name ist allerdings kein Programm. Asool bedeutet nämlich nichts. «Unsere Aussage wird alleine über die Musik erreicht.»

Melancholische Stimmungen

Und zu sagen haben sie viel. Die Songs sind oft melancholisch, die Texte kritisch, teils ironisch überspitzt – mit dem Anspruch, Themen zu behandeln, die in den Charts eher nicht besungen werden. Gesellschaftskritik ist das Anliegen. «Wenn wir zufrieden wären mit dem Planeten, dann würden wir ihn loben.» Roger spricht von «einem grossen Frust mit der ganzen Situation». Nun könnte man meinen, Asool wären Typen mit einem Dauer-Abo für Pessimismus. Aber weit gefehlt. Sie stehen ihrer Umwelt einfach nur kritisch gegenüber, sehr wohl im Bewusstsein, dass sie Teil davon sind. Es gehe ihnen darum, Missstände nicht einfach hinzunehmen, sondern darauf aufmerksam zu machen. «Für uns ist es eine Therapie», so sieht es Roger, «und fürs Publikum soll es eine Anregung sein, darüber nachzudenken, was sie konsumieren.» Und Bassist Luca Bernardinis meint: «Wenn unsere Musik gefällt, dann ist das toll, wenn aber auch darüber nachgedacht wird, ist es noch besser.» Spinner seien sie, meint Roger. Zu 99 Prozent lustige Leute und Spinner. Aber in der Musik komme halt die melancholische Seite zur Geltung. Und Simon ergänzt trocken: «Moll ist einfach schöner als Dur.»

Gespickt mit Sarkasmus

Depressiv sind sie also nicht, schon gar nicht im krankhaften Sinn, aber den Gemütszustand der Melancholie kennen und schätzen sie sehr wohl. Und darum gehe es ja in der Musik – Gemütsregungen festzuhalten. Ein Tagebuch zu schreiben; jedes fertige Lied sei auch eine Lebensabschnittsbewältigung. Und so finden sich bei Asool durchaus auch «kräftigere» Stücke. «Wir haben nicht nur melancholische Lieder, sondern auch solche, die eine positive Energie vermitteln.» Tatsächlich sprühen Asool von positiver Energie. Ihre kritische Sicht wird stets von einem pointierten Humor getragen. Es wird viel gelacht, geneckt, gedacht und betrachtet. Asool, das ist eine Prise Gesellschaftskritik, gespickt mit etwas Sarkasmus und Ironie. Mal sehen, wie das ankommt.


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