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«Alles Leben strömt aus Dir» seit 1877

Das Landsgemeindelied war nie offiziell verankerter Bestandteil des Rituals ? aber sehr beliebt

Seit 1877 war die Ode an Gott «Alles Leben strömt aus Dir» ohne rechtliche Verankerung fester Bestandteil des Landsgemeinderituals.

Hanspeter Strebel

Zu Zeiten, als Kirche und Staat in engster Verbindung standen, besuchten Obrigkeit und Volk mit Selbstverständlichkeit die Landsgemeindepredigt. 1878 aber wurde der obligatorische Kirchgang der Regierung gestrichen und der alte Brauch ging – mit Ausnahme des Glockengeläutes – ein. Gewissermassen an seine Stelle trat das Landsgemeindelied.

Die Initiative ging vom appenzellischen Sängerverein aus, der sich nach seiner Gründung 1825 erfolgreich um die Förderung des Volksgesangs bemühte. Der Gesang an der Landsgemeinde schien ein Mittel zu sein, um viele Mitbürger für die Pflege des Gesangs in den Vereinen zu begeistern. Die Mitglieder des Sängervereins fanden sich vor der Landsgemeinde auf dem Platz ein und trugen ein paar Lieder vor. Die von Johann Heinrich Tobler komponierte «Ode an Gott» wurde erstmals 1838 vor der Landsgemeinde gesungen. Ab 1877 avancierte dieses Lied zum offiziellen Landsgemeindelied, auch wenn es nie zum verfassungsmässig vorgeschriebenen Zeremoniell gehörte. Bis 1890 rief der Sängerverein jedes Jahr durch ein Inserat in der Appenzeller Zeitung zur Teilnahme am Gesang eine Viertelstunde vor 11 Uhr auf. 1896 wurde erstmals der Text auf der Rückseite des Landsgemeindebüchleins gedruckt, ab 1905 auch die Noten.

Tobler hatte das Lied im Jahre 1825 komponiert. Den Text entnahm er einer Gedichtsammlung der norddeutschen Schriftstellerin Karoline Rudolphi. Die Männerlandsgemeinde sang also über 100 Jahre das Lied einer Frau, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Bereits vor der Einführung des Frauenstimmrechts gab es eine Version für gemischten Chor.

Die Ode an Gott «Alles Leben strömt aus Dir», wird heute vorab bei besonders feierlichen Gelegenheiten gesungen und löst bei vielen noch starke Emotionen und Erinnerungen an die Landsgemeinde aus.

Offenbar seit langem war man auch an eine Mitwirkung einer Blasmusik an der Landsgemeinde gewohnt, die das Volk von der Ankunft der Regierung (9.30 Uhr) bis zum Umgang der Trommler und Pfeifer (10.30 Uhr) unterhielt.



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