Stadt Heerbrugg

Ein Ja ist für das Mittelrheintal wichtig

11. Juni 2007, 00:30
von Gert Bruderer

Es ist wohl unbestritten: Für eine allfällige Fusion der fünf mittelrheintalischen Gemeinden wären vertiefte Abklärungen nötig. Wurde in den letzten Wochen und Monaten für solche Abklärungen und somit für ein Ja am 17. Juni plädiert, war die Argumentation aber kaum auf die Erfordernis solcher Abklärungen beschränkt. Sehr häufig wurden im gleichen Atemzug auch die Vorteile einer Fusion genannt.

Auf diese Weise konnte der Eindruck entstehen, es gehe bei den vertieften Abklärungen nicht wirklich um die Erarbeitung sachlicher Grundlagen, sondern um eine nachträgliche Festigung von Argumenten für eine Gemeindefusion. Zu dieser Einschätzung konnte es kommen, weil während langer Zeit so ausführlich und intensiv über das Thema Gemeindefusion geredet wurde, als lägen die Grundlagen schon vor. Es wurde diskutiert, als ginge es am 17. Juni bereits um die Fusion. Der frühere Gemeindepräsident von Au, Walter Giger, hat mit seiner Aussage im «Rheintaler» vom Samstag wohl Recht: Die Abstimmung vom 17. Juni wäre am besten längst durchgeführt worden.

An dieser Stelle wird bewusst darauf verzichtet, einmal mehr von den Vor- und Nachteilen einer Fusion zu reden. Fragen wir uns statt dessen, was eine Ablehnung vertiefter Abklärungen zur Folge hätte. Natürlich könnten die mittelrheintalischen Gemeinden ihre Zusammenarbeit verstärken und bei Bedarf irgendwann auf die Idee einer Fusion zurückkommen. Es wäre eine Art Denkpause, die nicht ungenutzt verstreichen müsste. Trotzdem würde Zeit verplempert. Denn jene vertieften Abklärungen, um die es am 17. Juni geht, erfordern sozusagen die geballte Kraft der fünf Gemeinden, die Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen, die eben nicht halbpatzig sein sollen, sondern das Ergebnis professioneller Arbeit.

Diese Arbeit konzentriert und zielgerichtet j e t z t zu leisten, hat das Mittelrheintal Grund genug. Die Beschäftigung mit der Zukunft fällt in einer Position der Stärke sehr viel leichter als unter Druck. Ausserdem ist es gewiss vorteilhaft, zu den ersten zu gehören, die sich mit unumgänglichen Fragen befassen, als anderen Gemeinden oder Regionen hinterherzuhinken.

Das heisst: Es ist besser, die Hausaufgaben zu machen und dann (mit einer Fusion) vielleicht zuzuwarten, als erst einmal zuzuwarten und dann die hinausgeschobenen Hausaufgaben machen zu müssen. Die Stärke, derer sich das Mittelrheintal zweifellos erfreut, sollte es am 17. Juni auch dadurch demonstrieren, dass es der Fusionsidee jene Chance gibt, welche ihr bisher verwehrt blieb. Die Diskussion wurde zwar intensiv geführt. Die Intensität war aber unangemessen, weil die vorgebrachten Argumente zu einem grossen Teil auf Spekulation beruhen. Von Mutmassungen wegzukommen und klipp und klar dokumentieren zu können, was für, was gegen eine Fusion spricht, ermöglicht ein Ja am 17. Juni. Dieses Ja ist für das Mittelrheintal wichtig.

Sich einen Ruck zu geben, vielleicht über den eigenen Schatten zu springen, ist stets ein besonderes Zeichen von Stärke. Das Mittelrheintal ist auch darum stark, weil es genau dies immer wieder getan hat. Warum nicht auch jetzt!


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