Wie Ostschweizer Kirchen Zusammenarbeit lernten: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)

Kirchen haben keine Klimakrise

st. gallen. Noch nicht lange ist es her, dass zwischen den Konfessionen ein Röstigraben klaffte. Heute arbeiten Katholische und Evangelische entspannt zusammen. Das ist auch ein Verdienst der 1972 gegründeten ACK.
22. Mai 2007, 00:30
daniel klingenberg

An ihren Kleidern sollt ihr sie erkennen: Während Katholische und Orthodoxe pastoral-feierlich gewandet sind, tragen Evangelische lockere Alltagskluft. Das war am vergangenen Montag im Priesterseminar St. Georgen bei einem Gipfeltreffen der besonderen Art zu beobachten. An einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Appenzell und St. Gallen (ACK) trafen sich auch die Kirchenoberhäupter der Konfessionen. Zu erfahren ist dabei, dass in der Ostschweiz neben den grossen Bekenntnissen noch andere christliche Pflanzen gedeihen: Christkatholiken, Anglikaner, die Heilsarmee und verschiedene orthodoxe Nationalkirchen.

Beschnuppern nach dem Konzil

Die Gründung der ACK geht auf eine Zeit zurück, als sozusagen der «Kalte Krieg» zwischen Evangelischen und Katholiken herrschte. Es galten andere Regeln, wie etwa das Thema Mischehe zeigt. Wer heiraten wollte, hatte die Konfession des Partners zu bedenken. Vor allem die katholische Seite sperrte sich gegen eine ehelich-konfessionelle Vermischung.

Die Haltung gegenüber der Ökumene, der Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen, änderte sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960erJahren. Zwar geht die internationale ökumenische Bewegung bereits auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück – allerdings ohne Beteiligung der Katholiken. Die Konzils-Aufbruchsstimmung war auf nationaler wie regionaler Ebene zu beobachten. In St. Gallen fand 1968 mit einer reformiert-katholischen Gesprächskommission ein erstes konfessionelles Beschnuppern statt. Vier Jahre später kam es mit der Unterzeichnung eines Statuts zur Gründung der ACK Appenzell-St. Gallen. Deren Mitglieder sind Delegierte der Kirchen und treffen sich mehrmals jährlich. Auch auf persönlicher Ebene bauten sich Kontakte auf: So wird überliefert, dass der damalige Kirchenratspräsident ab und zu seine Pfeife beim Kaffee in der bischöflichen Kanzlei rauchte.

Vertrauensbasis geschaffen

Damit war das Thema der ersten ACK-Zeit gegeben. Nicht um Trennendes oder theologische Spitzfindigkeiten sollte es gehen, sondern um die praktische Zusammenarbeit. «Miteinander machen, was man machen kann», lautete die Losung. Als der Fall Hans Küng aktuell war, wurde in einer Tagung dieses Thema aufgenommen, und auch zu Abstimmungen liess sich der ACK vernehmen. Wichtiger aber war wohl, dass durch die regelmässigen Zusammenkünfte der Delegierten eine Vertrauensbasis zwischen den Kirchen geschaffen wurde. Dies half entscheidend mit, ein entspanntes ökumenisches Klima in St. Gallen und der Ostschweiz zu schaffen. Damit wurde auch der Boden für aktuelle gemeinsame Projekte wie die Kirchennacht oder die Interreligiöse Aktions- und Dialogwoche gelegt.

Dialog mit anderen Religionen

Inhaltlich widmete sich die ACK ab 1989 stärker den Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GFS). Dies kommt zum Ausdruck durch ihre gleichnamige Kommission, welche nach der ersten ökumenischen Konferenz 1989 in Basel gegründet wurde. Auch die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs wurde erkannt: Als die Kirchenleitungen vor sechs Jahren zum letzten Mal an einer Sitzung dabei waren, gaben sie der ACK den Auftrag, diesen zu fördern.

www.ack-asg.ch


Konfessionen mit mehr Profil

Das Verhältnis zwischen den Konfessionen ist einem Wandel unterworfen. Nach der Begeisterung über Gemeinsamkeiten wird nun eher wieder über das eigene Profil nachgedacht: In einer Welt der einfachen Bildbotschaften wollen auch Katholiken, Reformierte und Orthodoxe mit ihren Besonderheiten identifiziert werden können. (kl)


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