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Tagblatt Online
4. März 1998, 00:30 Uhr

Edle Ziele und volle Logen-Kassen

Odd-Fellows treten an die Öffentlichkeit - Schweizerisches Treffen in St.Gallen als Chance?

Ihre Ziele sind anspruchsvoll, liefern aber keine Schlagzeilen. Ihre Rituale sind traditionell, doch schlicht. Die Odd-Fellows wirken im Stillen; nun wollen sie ihre Arbeit der Öffentlichkeit bekannt machen. Eine Chance dazu bietet der Schweizerische Odd-Fellow-Tag in St.Gallen.

Regula weik

Symbol der Odd-Fellows ist eine Kette aus drei Gliedern; diese stehen für Freundschaft, Liebe und Wahrheit. Ziele der Odd-Fellows sind «hochstehendes Denken und Handeln, Forschung nach dem Sinn des Lebens, Veredelung des Charakters und Hilfeleistung nach aussen». Im Raum Ostschweiz haben sich gegen 400 Männer und Frauen diesen anspruchsvollen Zielen verschrieben. Organisiert sind die Odd-Fellows in Logen.
Leitideen und Organisationsform mögen auf den ersten Blick befremden. «Wir sind politisch und konfessionell neutral und wollen kein Religionsersatz sein», sagt jedoch Willi Roth, Altmeister der Alpstein-Loge St.Gallen. Und wie nahe stehen sie den Freimaurern? «In der Zielsetzung sind wir uns ziemlich ähnlich; doch die Art, wie darauf hingearbeitet wird, ist ganz anders. Unsere Ritualtexte sind schlichter und einfacher.» Der Vermutung, ein Geheimbund zu sein, tritt Roth ebenfalls entgegen:«Unser Schriften sind öffentlich zugänglich. Wir haben wohl Zeichen und Passwörter, mit denen wir uns weltweit als Odd-Fellows ausweisen können; andere Organisationen, etwa Serviceclubs, haben Codes oder Memberkarten.»Finanzielle und praktische Hilfe nach aussen ergänzt die interne, «geistige» Arbeit der Odd-Fellows. In grossem Rahmen wird eine solche Hilfeleistung anlässlich des Schweizerischen Odd-Fellow-Tages erbracht: Alljährlich werden an diesem Treffen 100 000 Franken an Institutionen vergeben, «die nicht oder ungenügend von der Öffentlichkeit unterstützt werden». Dieses Jahr wird das Geld in der Ostschweiz verteilt (siehe Kasten): Verein ilco St.Gallen (10 000 Franken), Behindertenheim «Lindli-Huus», Schaffhausen (40 000 Franken) und Zentrum für Wahrnehmungsstörungen, St.Gallen (50 000 Franken).Mehr Öffentlichkeit oder doch lieber diskrete Hilfe? Die Mitglieder der Logen distanzieren sich jedenfalls von Sprüchen wie «Tue Gutes und sprich davon». «Unser Ziel ist es, uns als Menschen zu verbessern und nicht unsere finanzielle Situation», sagt Roth. Dennoch: Ganz ohne Publicity kommen auch die Odd-Fellows nicht aus - im Hinblick auf das Sommerfest haben sie einige Medienideen entwickelt.



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