inventure.ostschweiz vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Medien

Innovationsideen ausschöpfen

Für einmal treffen sich Geld und Geist nicht in der Teppichetage oder im kristalllüsterbeleuchteten Saal, sondern in einem grossen Zelt in einer Randregion: inventure.ostschweiz vereinigt am 25. April Kapital, Wissen und Medien an der Rhema in Altstätten.
08. April 2008, 00:30
Markus Löliger

Geboren worden ist die Idee, ostschweizerische Innovationskraft zu koordinieren und zu fördern, in den Studierstuben der Hochschule in St. Gallen, als drei Männer die Köpfe zusammensteckten: Professor Thomas A. Gutzwiller von der Unternehmerschule an der HSG, Henri B. Meier, Investor und Ventures-Förderer, sowie Martin Zahner, Kommunikationsfachmann und CEO von Trimedia Schweiz.

Diese drei stellten in trauter Runde fest, dass die Zukunft wohl dynamischen Netzwerken gehören werde, und stellten ein Projekt auf die Beine, das nun, ein gutes Jahr später, mit einem ersten Event startet.

Plattform statt Einzelevent

Neu am Projekt sei die Idee einer Plattform, sagt Martin Zahner. Die Idee mit Business-Angels, die altgediente Unternehmer mit jungen Leuten und neuen Ideen zusammenbringen, gebe es schon seit einigen Jahren. Die inventure. ostschweiz gehe einen Schritt weiter und wolle diese Partner vernetzen, sagt Zahner. Statt eines Events soll eine Partnerschaft auf Dauer entstehen – ein Film statt eine Momentaufnahme. Die regelmässigen Events mit Wissensaustausch sollen ergänzt werden mit Workshops, die verschiedene Aspekte der Innovationsförderung beleuchten, sowie mit Kontaktveranstaltungen für Jungunternehmer und Kapitalgeber.

Damit die Idee nicht einfach zur Zäsur im Jahreskalender verkommt, planen die Promotoren eine Plattform auf dem Internet, die rund ums Jahr aktuell gehalten werden soll: Ideen-, Themen- und Wissensaustausch sowie Netzwerke sollen gepflegt und die wichtigsten Partner in der Innovationsförderung immer wieder zusammengebracht werden – Wissenschaft und Forschung, Kapital und Beratung, Innovation und Produktideen.

Innovationsförderer vor Ort

Dass hier keine Phantasten am Werk sind, sondern Leute, die Nägel mit Köpfen machen wollen, zeigt sich insbesondere an der Teilnahme der Förderagentur für Innovation (KTI), die beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie angesiedelt ist. KTI fördert Innovationsprojekte, die auf neuer Forschung basieren und in einer Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen entstehen.

Für den Start-Event in Altstätten hat KTI einen «Call for Ideas» lanciert. Dafür konnten interessierte Unternehmen – auch Neuunternehmer – Projektideen einreichen. Diese werden am 25. April während der inventure. ostschweiz präsentiert. In einer anschliessenden Diskussion wird ausgelotet, ob eine KTI-Förderung möglich ist und welche Partner aus dem Hochschulbereich für die Umsetzung der Projekte in Frage kommen. Fällt der Entscheid positiv aus, übernimmt KTI bis zu 50 Prozent der Projektkosten. Die Leiterin der KTI, Ingrid Kissling-Näf, sagt: «Wissen aus den Laboratorien soll rasch in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden. Nur wer brillante Ideen rasch am Markt realisiert, kann im globalen Wettbewerb Erfolg haben.» Kissling-Näf wird am 25. April vor einem CEO-Lunch referieren.

Wissens- und Netzwerkpartner

In Altstätten werden auch die in Frage kommenden Hochschulen vertreten sein, welche die Idee von inventure.ostschweiz als Wissenspartner mittragen. Zu ihnen gehören neben der Unternehmerschule an der HSG die Hochschulen für Technik in Rapperswil und jene für Technik und Wirtschaft in Chur sowie die Interstaatliche Hochschule für Technik in Buchs NTB, das Innovationszentrum der Hochschule FHS St. Gallen und der Wissens- und Technologietransfer Ostschweiz. Als Netzwerkpartner zeichnen neben KTI der Arbeitgeberverband Rheintal, die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell, die Swiss Engineering STV und der Verein St. Galler Rheintal. Namhafte Unternehmen (Kantonalbank, Jansen, Leica, SAK, SFS, Polypag und PricewaterhouseCoopers) helfen der neuen Plattform als Sponsoren auf die Beine.

Dass inventure.ostschweiz ihren Start an der Rhema in Altstätten hat, sei eher ein Zufall, sagt Martin Zahner: Dort sei eine gute Möglichkeit entstanden, nachdem ein anderer Event, das Wirtschaftsforum, ausgezogen sei. Zahner sieht Altstätten aber nicht als «Notlösung» und erinnert daran, dass das Rheintal als Hochtechnologie-Standort unter den Top Ten in einer Studie über 1200 EU-Regionen plaziert ist und eine «grosse wirtschaftliche und spürbar aktive Ausstrahlung» habe.

www.inventure.ch


Das Programm

Am 25. April wird das Thema Innovation aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet durch Referate von Professor Thomas Gutzwiller (HSG), Hans Hess (Unternehmer und ehemaliger Leica-CEO), Henri Meier (ehemaliger Divisionsleiter der Weltbank und langjähriger Roche-Finanzchef).

Als Beispiel einer Innovation wird der Rheintaler Daniel Graf sein Internet-TV Kyte präsentieren. (lö)


PERSON

Martin Zahner

Der Rheintaler Martin Zahner war zuerst journalistisch tätig, dann als Informationsbeauftragter bei der Stadt St. Gallen engagiert, ehe er 1999 seine eigene Public-Relations-Firma Zahner & Partner in St. Gallen aufbaute. Im Sommer 2005 hat Martin Zahner seine Firma in die Trimedia International eingebracht und gleichzeitig das Amt eines CEO Schweiz übernommen. Mit der Übernahme habe Trimedia «ihre Ressourcen im PR-Markt deutlich verstärkt», schrieb damals das Branchenfachorgan «persoenlich.com». Trimedia gehört heute zu den Top-3-PR-Agenturen der Schweiz, beschäftigt über 40 Mitarbeitende in Büros in St. Gallen, Zürich, Basel und Lugano.

Martin Zahner hat sich intensiv mit Trends in Kommunikation und Digitalisierung befasst – mit dem Resultat, dass Trimedia als eine der ersten europäischen PR-Agenturen eine Filiale auf der virtuellen Plattform Second Life besass. Zahner wirkt auch als Stiftungsrat am Schweizerischen Public Relations Institut (SPRI) und ist Präsident des OpenAir St. Gallen. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. (lö)


Leserkommentare

Anzeige: