60 Jahre «Alibert» - und alle kamen...

13. Oktober 1997, 00:30

Rund 80 Einladungen verschickte Alexander Blanke, der als «Alibert» bekannte Karikaturist, für seine Feier zum 60. Geburtstag im Restaurant Waldegg ob Teufen, wohl in der Annahme, dass sowieso nicht alle kommen würden. Aber da hatte er seine Beliebtheit offenbar arg unterschätzt: Der Saal vermochte nämlich die Gäste kaum zu fassen.

Eigentlich Bühnenbildner

Alexander Blanke wurde 1937 in Leipzig geboren, und nach dem Krieg kam er in der neuen DDR prompt in die FDJ. Doch nach dem Abschluss der Schule erlernte er in Westberlin den Beruf eines Bühnenbildners, und er erhielt als solcher - nach einigen Stationen in Deutschland, zumBeispiel in Esslingen - ein Engagement ans Stadttheater St.Gallen. Hier wirkte er mehrere Jahre sehr erfolgreich - bis ihn jener neue Theaterdirektor auf Ende Saison entliess, der vorher noch selber schnell vom Verwaltungsrat wegen Unfähigkeit «gegangen wurde». . .

Besondere Begabung

Alex Blanke hatte inzwischen in der Ostschweiz Fuss gefasst, denn es gefiel ihm hier. Also entschloss er sich, jetzt seine ganz besondere Begabung zum neuen Beruf zu machen: Karikaturist. Als «Alibert» wurde er sehr bald bekannt und beliebt, und seine witzigen, geistreichen, originellenBilder waren - und sind - in ungezählten Publikationen zu finden. Inzwischen ist er übrigens auch Schweizer Bürger geworden, und er lebt seit einigen Jahren in Niederteufen.

Inklusive Guggenmusik

Zu seiner Geburtstagsfeier im Restaurant Waldegg ob Teufen fanden sich nun viele Geschäfts- und persönliche Freunde ein, unter ihnen beispielsweise auch Stadträtin Liana Ruckstuhl und Stadtschreiber Otto Bergmann. zwei Alphornbläser empfingen die Gäste zum Apéritif im Freien, die «Schlössli-Gugge» brachte im Saal ein kaum mehr enden wollendes Ständchen («Alibert» entwirft ihnen eben immer die Pins), und schliesslich setzte sich noch «Louis de Saint-Gall» ans Klavier, um die vielen Gäste zu unterhalten.

Eine Art «Rückfall»

Einen Rückblick auf das Schaffen von «Alibert» gab eine Ausstellung mit Werken aus verschiedenen Jahren, sogar aus seiner St.Galler Theaterzeit. (Eine Art «Rückfall» bekam er ja, als er neulich für die «Kleine Linsebühl-Revue» Bühnenbild und Requisiten schuf.) Aber vor lauter Leuten kam man an diesem Abend fast nicht dazu, die Bilder und die Texte zu studieren. Immerhin weiss man, dass Alex Blanke die Ideen nicht so schnell ausgehen werden, und dass man folglich den pfiffigen Zeichnungen von «Alibert» immer wieder irgendwo begegnen wird.Ralph A. Ottinger


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