Seit acht Jahren züchtet Klaus Signer zusammen mit drei Kollegen Bio-Bachforellen

Petri Heil mit Bio-Status

22. April 2008, 00:30

Stein. Es ist kalt an diesem Aprilmorgen bei den Weihern von Mias Bio-Forellenzucht in Stein, nahe der Sitter. Klaus Signers Grossvater, ein Landwirt und Milchmann in Teufen, hatte dieses Gebiet vor über neunzig Jahren zu einer Kiesgrube umfunktioniert. Diesen Zweck erfüllt diese Liegenschaft auch heute noch – aber nur teilweise. Denn hier befindet sich auch die erste zertifizierte Bio-Bachforellenzucht der Schweiz. Seit 2000 tummeln sich hier rund 20 000 Fische. Eingesetzt werden sie jeweils im Oktober als zwei Zentimeter kleine Sömmerlinge und bleiben ein Jahr in einem speziellen, künstlich angelegten Weiher, bevor umgezogen wird und die Tiere ein weiteres Jahr in einem anderen Weiher mit sauerstoffreichem Quellwasser leben und gefüttert werden.

Fünf-Minuten-Entscheidung

Die Idee, eine Bachforellen-Zucht zu initiieren, kam Klaus Signer und seinem Kollegen Ueli Weniger («Guggeloch»-Bio-Beck aus Urnäsch) während dem Fischen im grossväterlichen Weiher. «Ueli wusste, dass neu auch Bachforellen bio-zertifiziert werden konnten, und da wir unser Hobby intensivieren wollten, war das Unterfangen <Fischzucht> innert fünf Minuten beschlossene Sache», blickt Klaus Signer zurück. Nach allen Behördengängen und dem Erhalt von sämtlichen notwendigen Bewilligungen ging es los mit Mias Bio-Forellenzucht. Die Namensgeberin der Zucht, Mia Coduri-Signer, die Tante von Klaus Signer, lebte während 27 Jahren im Bauernhaus, das zur Liegenschaft gehört. Sie war auch

von Anfang an begeistert von der Idee und unterstütze ihren Neffen bei seinem Vorhaben. Mittlerweile ist aus der Zweiergruppe ein vierköpfiges Hobby-Fischzuchtunternehmen geworden: Neben Klaus Signer und Ueli Weniger sind Jürg Wild und Jürg Kliebenschädel dazugestossen. Circa 10 000 Wildfang-Sömmerlinge werden jährlich ausgesetzt. Und die Fische gedeihen prächtig in Stein. Nebst dem Bio-Qualitätsfutter ist vor allem frisches Wasser und viel Sauerstoff für die Bachforellen lebenswichtig. Insgesamt vier Weiher werden in der Nähe der Listbrücke unterhalten und mit 210 Litern in der Minute aus zwei Grundwasserquellen gespiesen, die zum Familienbesitz von Klaus Signer gehören. «Die Wasserqualität in unseren Weihern ist so gut, dass die Forellen sozusagen im Mineralwasser leben», hält der 50jährige fest.

Zeitintensives Hobby

Klaus Signer und seine drei Kollegen wechseln sich ab mit der im Sommer täglichen und im Winter wöchentlichen Fütterung. Mindestens eine Stunde pro Tag und die meisten Samstagnachmittage setzt Klaus Signer für die Fische ein. Die Fütterung ist dabei nur ein ganz kleiner Teil der Arbeit. Immer wieder müssen die Weiher gereinigt, die Sprudler – eine Art Springbrunnen für Fischweiher – kontrolliert, gewartet und manchmal enteist werden. Ein Ausfall dieser Sauerstoff-Zuführmaschinen wäre verheerend: Bereits nach einer Nacht ohne einen Sprudler im Weiher würden die Fische am nächsten Morgen bäuchlings im Wasser treiben. Vor drei Jahren gab es Zuwachs im Stamm-Weiher, der ursprünglich ein Baggersee war: 400 Schweizer Edelkrusten-Krebse wurden ausgesetzt. Die vom Aussterben bedrohten Tiere gedeihen in Stein so prächtig, dass es mittlerweile drei- bis viertausend Krebse sein dürften. «In den nächsten Monaten holen wir einen Teil von ihnen raus und bieten sie zum Verkauf für die Züchtung oder den Verzehr an», so Signer. Bereits gute Abnahmequellen haben sich für die Bio-Bachforellen gefunden, darunter beispielsweise seit zwei Jahren die zürcherischen Globus-Delikatessen-Geschäfte aber auch umliegende Restaurants und die «Tüüfner Metzg».

Tante Mias Haus

Seit Februar lebt Klaus Signer zusammen mit seiner Frau im Haus von Tante Mia, die letztes Jahr verstorben ist. Sehr idyllisch ist dieses Fleckchen Erde. Unmittelbar neben dem Haus steht eine Rarität, «die schon seit zwanzig Jahren darauf wartet, dass ich mich ihrer annehme», sagt Klaus Signer. Den Bulldozer aus dem Jahr 1942 bekam er zu seinem 30. Geburtstag von Tante Mia geschenkt. Auch sonst haben es dem gelernten Automechaniker alte Gefährte angetan – er widmet sich in der knapp bemessenen Freizeit gerne seinen Oldtimer-Autos. Vor zehn Jahren wagte er den Sprung in die Selbständigkeit mit seinem Unternehmen «Signer rondom». Mittlerweile arbeiten neben ihm und seiner Frau noch vier weitere Mitarbeiter für die Reinigungs- und Hauswartungsfirma, darunter auch eine der beiden erwachsenen Töchter. Die Musik, eine weitere Leidenschaft von Klaus Signer, hat er zugunsten des Geschäfts mittlerweile aufgegeben. Während rund zwanzig Jahren war er als Saxophonspieler Mitglied in verschiedenen Musikgesellschaften.

Ab Mai wird aber sein zeitintensivstes Hobby wieder aktuell: Mit dem Frühling erwachen nicht nur die Flora sondern auch die Bachforellen zu neuem Leben – die Hauptsaison für die Zucht beginnt wieder.

Rosalie Brülisauer


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