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Tagblatt Online, 15. Juli 2012 00:00:00

Weniger Ausländer an Unis

Zustrom Deutscher Studierender deutlich reduziert

Auch an der im nördlichen Nachbarland besonders beliebten Universität St. Gallen sinkt die Zahl neuer deutscher Studenten. Zoom

Auch an der im nördlichen Nachbarland besonders beliebten Universität St. Gallen sinkt die Zahl neuer deutscher Studenten. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Für das kommende Semester haben sich seit langem zum ersten Mal wieder weniger ausländische Studierende an Deutschschweizer Hochschulen eingeschrieben.

Katharina Bracher

Noch kann sich einschreiben, wer diesen Herbst ein Studium an einer Deutschschweizer Universität aufnehmen will. Die meisten Zulassungsstellen können jedoch schon vor Ablauf der Frist einen ersten Trend melden: Die Zahl der ausländischen Studierenden ist rückläufig. Dabei stellen die Deutschen die grösste Gruppe unter den Ausländern.«Bei uns haben sich bis Mitte Juni 375 Bewerber aus Deutschland für ein Bachelorstudium angemeldet. Im Vorjahr waren es noch 521», sagt Matthias Geering von der Universität Basel. Der Rückgang könnte sogar noch grösser sein, denn erfahrungsgemäss werde nur ein Bruchteil der einmal angemeldeten Studierenden auch wirklich immatrikuliert.

Selbst an der bei Deutschenäusserst beliebten Universität St. Gallen, die den Ausländeranteil in der Lehre bereits in den 1960er Jahren gesetzlich auf 25 Prozent beschränkt hat, scheint die Nachfrage aus dem Ausland für einmal zu sinken.«Bei den Anmeldungen ausländischer Studierender verzeichnen wir auf das Herbstsemester 2012 einen Rückgang», bestätigt Sprecher Marius Hasenböhler. Traditionell bilden auch hier die Deutschen die grösste Ausländergruppe.«Wir führen den Rückgang auf den Wechselkurs und die höheren Studiengebühren zurück», sagt Hasenböhler. Die Maximalquote werde die Universität– an der Studierende aus 83 Nationen eingeschrieben sind– voraussichtlich trotzdem ausschöpfen.

Auch die ETH Zürich bestätigt, dass sich weniger deutsche Studierende für das Herbstsemester immatrikuliert haben. Definitive Zahlen kann die Hochschule erst im September bekanntgeben. Die Universität Zürich will dagegen noch keine Aussagen zu Tendenzen machen, geschweige denn Auskunftüber Anmeldungen geben.

Einen besserenÜberblick haben kleinere Universitäten wie Luzern. Dort ist der Rückgang der Anmeldungen aus dem Ausland sehr deutlich zu spüren. Im Vorjahr stammten 13,8 Prozent der in Luzern eingeschriebenen Studierenden aus dem Ausland. Im laufenden Jahr sind es gemäss Sprecher Erich Aschwanden nur noch 8,9 Prozent. Das sei besonders schmerzhaft, da die junge Universität noch dabei sei, sich einen Ruf im Ausland aufzubauen. Die Luzerner Regierung hat auf Druck des Parlaments kürzlich entschieden, dass ausländische Studierende 300 Franken mehr Studiengebühren bezahlen müssen als Studierende, die ihre Hochschulreife in der Schweiz erlangt haben. Diese Erhöhung sei zwar erst vor zwei Wochen in Kraft getreten und habe darum noch keinen Effekt auf die momentane Situation. Doch die Universität rechnet damit, in den kommenden Semestern noch mehr ausländische Studierende zu verlieren.«Wir bedauern das, denn jede Universität kann von Internationalität nur profitieren», sagt Aschwanden.

Entscheidend für den Rückgang sind wohl zur Hauptsache finanzielle Gründe.«Aufgrund von Rückmeldungen wissen wir, dass die Stärke des Frankens eine Rolle spielt», sagt etwa Matthias Geering, Sprecher der Universität Basel. Die gleiche Beobachtung hat Luzern gemacht.«Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind für viele ausländische Studenten nicht mehr tragbar», sagt Aschwanden. Hinzu komme, dass einige deutsche Bundesländer wie Baden-Württemberg die Studiengebühren wieder abgeschafft hätten. Viele deutsche Studenten nähmen darum vermutlich die Chance wahr, für weniger Geld wieder in der Heimat zu studieren.




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