Tagblatt Online, 20. Juli 2012 10:01:19
Weg in den Milden Westen
Der Mittelpunkt des Kantons Fribourg/Freiburg zwischen zwei Bäumen. (Bild: Simon Tanner / NZZ)
Der zweisprachige Kanton Freiburg ist bekanntlich das Tor zur Westschweiz. Mit dem Bundesbeitritt der Freiburger 1481 trat erstmals ein teilweise französischsprachiger Stand der Eidgenossenschaft bei.
Der zweisprachige Kanton Freiburg ist bekanntlich das Tor zur Westschweiz. Mit dem Bundesbeitritt der Freiburger 1481 trat erstmals ein teilweise französischsprachiger Stand der Eidgenossenschaft bei. Dies erklärt, weshalb Freiburg auf der offiziellen Liste der Kantone, die weitgehend chronologisch angeordnet ist, als einziger welscher Ort in der oberen Hälfte figuriert – und weshalb die Freiburger Mitte in dieser Artikelfolge schon jetzt erscheint.
Der Mittelpunkt des Kantons Freiburg liegt in Farvagny-le-Grand, einem Ort, der trotz seinem Namen wenig Grossartiges hat. Er liegt etwa 15 Kilometer südlich der Stadt Freiburg, auf halber Distanz zwischen dem Kantonshauptort und dem Greyerzer Bezirkshauptort Bulle, etwas westlich der Autobahn Freiburg–Vevey und der Sprachgrenze. Wir befinden uns in einer leicht hügeligen, voralpin geprägten Landschaft auf rund 740 Metern über Meer, unweit des Nord-Endes des Greyerzersees. – Die Leute von Farvagny scheinen allerdings bis dato noch nichts von ihrem Glück zu wissen, in der topografischen Mitte ihres Kantons zu leben. Eine Frau auf dem Dorfplatz sagt, sie habe gemeint, diese Mitte liege bei der Kirche in Posieux. Auch in der hiesigen Filiale der Freiburger Kantonalbank weiss man nichts vom Mitte-Privileg, aber die Angestellten geben sich alle erdenkliche Mühe, um uns auf die Spur zu helfen.
So marschieren wir von der hiesigen Kirche, einem eleganten Bau im neugotischen Stil, zur modernen Anlage der Orientierungsstufe. Dann geht es noch etwas aufwärts und, nachdem wir oben angekommen sind, nach links, bis zu einem Bänkchen, dessen Position beinahe unseren Koordinaten entspricht. Im Schatten einer Eiche übersieht man ein Feld, auf dem ein Bauer bzw. sein Traktor das Heu wendet, und dahinter errät man die Kreten der Freiburger Alpen. Seitlich davon blickt man auf Farvagny «Downtown», auf Bauernhöfe, Pferdeweiden und eine grössere Menge neuer Hüsli: Schweizer Halb-Ländlichkeit pur. Vor einem neuen Einfamilienhaus weht eine Schweizer Fahne, vor einem anderen ist eine Piratenfahne gehisst. Das ist aber schon das ganze Abenteuer.
Koordinaten: 572 122, 174 197.
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