Tagblatt Online, 19. Juni 2012 16:13:25
Vorstand des Gewerbeverbands gegen Raumplanungsgesetz
Im Volk scheinen Begehren, welche die Zersiedelung stoppen wollen, zunehmend Sympathie zu gewinnen. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)
Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Volk das letzte Wort zum revidierten Raumplanungsgesetz hat. Der Vorstand des Gewerbeverbandes will das Referendum ergreifen, endgültig entscheiden muss die Gewerbekammer.
(sda)
Das Referendum gegen die Revision des Raumplanungsgesetzes wird immer wahrscheinlicher. Der Vorstand des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) hat sich am Montag dafür ausgesprochen. Endgültig entscheiden muss die Gewerbekammer.
Indirekter Gegenvorschlag
Deren Mitglieder können bis Ende Woche dazu Stellung nehmen, wie SGV-Präsident Jean-François Rime am Dienstag eine Meldung von Radio «Rhône FM» bestätigte. Die am letzten Freitag von den eidgenössischen Räten verabschiedete Revision ist ein indirekter Gegenvorschlag zur bedingt zurückgezogenen Landschaftsinitiative.
Sie beschränkt die zulässigen Baureserven auf den Bedarf der nächsten 15 Jahre. Ausserdem wird der Gewinn bei der Einzonung in Bauland künftig zwingend mit einer Mehrwertabgabe belastet.
Kantonsreferendum angekündigt
Der SGV sieht darin eine Verletzung der Eigentumsrechte. Unterstützung erhält der Verband aus dem Kanton Wallis: Dort haben die Kantonsräte die Regierung beauftragt, das Kantonsreferendum gegen die Revision zu ergreifen. Dazu müsste der Kanton sieben verbündete Kantone finden, dafür bleiben insgesamt 100 Tage Zeit.
Die Landschaftsinitiative verlangt ein 20-jähriges Moratorium für die Einzonung von neuem Bauland. Sie wurde von den Initianten aus Naturschutzkreisen unter der Bedingung zurückgezogen, dass die Revision des Raumplanungsgesetzes in Kraft tritt.
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deich (20. Juni 2012, 09:14)
Mutig
Es ist nicht von der Hand zu weisen und für alle sichtbar, dass in der Schweiz tagtäglich die Zersiedelung der (Rest-) Landschaft weiter fortschreitet. Die Frage ist also zu diskutieren, wie die schlimmsten Folgen dieser "Bauwut" eingedämmt werden können, wie Spekulation und andere üble Begleiterscheinungen bei der Erschliessung immer neuer, heute noch grüner Gebiete mit allen Folgen für die Infrastruktur als Ganzes zu vermeiden oder zumindest deutlich einzuschränken sind. Dass der "Gewerbeverband" hier eine andere Ansicht vertritt, liegt in seinem Selbstverständnis. Eines ist sicher: In den kleinen bis mittleren Landstädten der Flächenkantone können nur durch eine sinnvolle "urbane Verdichtung" die Stadtränder letztlich als "kultureller Grüngürtel" behalten und nicht der Spekulation geopfert werden. Es lohnt sich. Ein "Referendum" dagegen zu starten ist mutig und wohl eher chancenlos nach heutiger Stimmungslage!
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