Tagblatt Online, 27. Juli 2012 19:49:41
Selektive Lufthoheit
Volle Konzentration auf eigene Projekte, lautet die Devise der SVP – wie 2010 mit der «Ausschaffungsinitiative». (Bild: Keystone)
Zum Bundesfeiertag wird die SVP ihre Durchsetzungsinitiative bewerben. Daneben rüstet sich die Volkspartei zum Kampf gegen institutionelle Annäherungen an die EU.
René Zeller, Ebnat-Kappel
Die SVP ist kämpferisch, misstrauisch, rastlos. Viele Volksinitiativen hat die wählerstärkste Partei in den letzten Jahren lanciert. Referenden wurden ergriffen, Kampagnen organisiert, befreundete Gruppen flankiert. Nach dem Wahljahr 2011, das für die SVP enttäuschend endete, ging die Parteispitze selbstkritisch über die Bücher. Gemäss Generalsekretär Martin Baltisser lautete der Befund: Man habe sich in der letzten Legislatur zu viele Projekte aufgebürdet, sei zu wenig selektiv gewesen.
Welche Schlüsse hat die SVP aus ihrer internen Analyse gezogen? Parteipräsident Toni Brunner gab am Freitag an einem Pressegespräch im malerischen Toggenburg bekannt, dass sich die SVP noch stärker als bisher auf ihre Kernthemen konzentrieren werde. «Wir steigen nur noch dort aktiv in Kampagnen ein, wo wir selber initiativ und federführend sind.»
Erste Priorität habe unmittelbar und in nächster Zeit der Kampf um den Respekt vor dem Volkswillen, so Brunner. Die SVP flankiert ihre vom Souverän befürwortete «Ausschaffungsinitiative» mit einer « Durchsetzungsinitiative ». Darin legt die SVP dar, wie die erstgenannte Initiative umgesetzt werden könnte. Dieser Weg sei notwendig, weil befürchtet werden müsse, dass Bundesrat und Parlament kein Interesse daran hätten, die «Ausschaffungsinitiative» gemäss dem Willen des Souveräns umzusetzen. «Simonetta Sommaruga betreibt Arbeitsverweigerung», kritisiert Brunner unumwunden. Das taktische Kalkül der SVP lautet, die «Durchsetzungsinitiative» schon vor der parlamentarischen Beratung als Pfand verfügbar zu haben.
Fast schon traditionellerweise nutzt die SVP den Bundesfeiertag, um ihre neuste Initiative zu befeuern. Alle schweizerischen Haushalte werden mit einem Werbeprospekt bedient. Die notwendigen Mittel – laut Brunner 700 000 bis 800 000 Franken – seien organisiert.
Die Kräfte bündeln will der SVP-Präsident sodann für die weiteren bereits gestarteten Projekte: Volkswahl des Bundesrats, Familieninitiative, Masseneinwanderungsinitiative. Die Chancen der letztgenannten Volksinitiative seien gestiegen, nachdem der Bundesrat entschieden habe, keinen Gegenvorschlag zu konzipieren. Es sei offenkundig, dass weder die Regierung noch die anderen Parteien ein Alternativkonzept zur Zuwanderung hätten, so Brunner.
Im zweiten Glied will die SVP demgegenüber im Abstimmungskampf zur «Abzocker»-Initiative stehen. Und falls das Referendum gegen die Steuerabkommen mit Deutschland und Grossbritannien zustande kommt, wird sich die SVP laut Brunner auch dort nicht zuvorderst ins Getümmel stürzen.
Der stärkste Trumpf der SVP ist und bleibt die Europafrage. Das Ansinnen des Bundesrats, die institutionelle Kooperation mit Brüssel auszubauen, hat bei der Volkspartei Alarmstimmung ausgelöst. Für die SVP steht fest, dass der institutionelle Rahmen keinesfalls auf der Basis eines sektoriellen Dossiers – konkret: des Stromabkommens – definiert werden dürfe. Das Misstrauen paart sich mit Kritik am Prozess. «Der Bundesrat agiert im Europadossier nicht transparent», kritisiert Toni Brunner. Die Parole der SVP laute deshalb: «Wir müssen uns wappnen.»
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Kommentare lesen
ith.eduard (30. Juli 2012, 11:11)
Sich erst mal über die Ziele des Bundesrates informieren!
Es schreit schon zum Himmel, wie viel Nonsens in einer Zeitung Platz findet. Auch der Journi René Zeller aus Ebnat-Kappel scheint einer der dienst- und eilfertigen Schreiberlinge der neuzeitlichen Hofberichterstattung zu sein!
Beitrag kommentierenTatsache ist: In Europa brennt es! 5 der 17 Euroländer sind finanziell hilfsbedürftig! Frankreich stöhnt und Deutschland geht mit 2'100 Mia. Staatsschulden - das sind 81% des BIP - langsam aber sicher die Luft aus! Der Euro verliert zum Dollar wieder an Wert, so dass sogar die Amis auf den Plan gerufen werden, obwohl dieselben auch ziemlich im Dreck stecken!
Tatsache ist: Die Schweiz als Island in the stream! Die Wirtschaft läuft, wenn auch auf bescheidenem Wachstum, aber es läuft. Die Arbeitslosigkeit und die Zinsen sind tief; die Teuerung -0.4%. Wenn wundert es, dass da die EU jagt auf die Schweiz macht und den Eidgenossen Ihr Recht aufzwingen will! Dagegen marschiert die SVP auf allen Ebenen zu Recht an!
adolfk31 (28. Juli 2012, 15:08)
DEICH (28. JULI 2012, 09:18) Existenz
Im Mittelalter gab es gar eigentliche "Raubritter", die das Volch ohne dieses zu frage genau so ausraubten gogen ...
Beitrag kommentierendeich (28. Juli 2012, 09:18)
Existenz
Gäbe es keine EU, sowie Asylanten, würde wohl auch keine SVP existieren, wie es scheint. Die Politik zum Wohle eines Landes ist jedoch vielfältiger - allerdings in manchen Facetten halt weniger populär. Doch muss auch diese Arbeit gemacht werden. Für einmal ohne auf den Wähler zu schielen: Solide Parteiarbeit eben.
Beitrag kommentierenadolfk31 (28. Juli 2012, 07:01)
Es ist eben ...
furchtbar Schwierig, gegen einen eingeschlafenen, aus der Industrie entsorgten Beamten Apparat anzukämpfen ....
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