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Tagblatt Online, 15. Juli 2012 00:00:00

Neue Zürcher Sportarena auf wackligem Fundament

Womöglich geschütztes Kulturland: Schrebergartensiedlung in Zürich. Zoom

Womöglich geschütztes Kulturland: Schrebergartensiedlung in Zürich. (Bild: Keystone / Samuel Truempy)

Das Ja zur Kulturlandinitiative könnte den Bau der neuen Sportarena für die ZSC Lions gefährden. Der Kanton prüft, ob am geplanten Ort überhaupt noch gebaut werden darf.

Daniel Friedli

Nach jahrelangen Diskussionen schien im vergangenen Februar das gute Ende gefunden: Die ZSC Lions sollen in fünf Jahren endlich ihr ungeliebtes Hallenstadion in Oerlikon verlassen können und zusammen mit den Volleyballerinnen von Voléro in Zürich Altstetten eine neue Heimat finden. Geplant ist dort am Stadtrand eine kombinierte Sportarena inklusive Trainingshalle, Gastronomie und Tiefgarage für 12 000 Eishockey- und 3000 Volleyball-Fans. Zu stehen kommen soll sie auf einem knapp drei Hektaren grossen Areal entlang der Bahngeleise, auf dem der Zugreisende vor der Einfahrt in Zürich heute noch Dutzende von Schrebergärten sieht.

Seit das Zürcher Stimmvolk am vergangenen 17. Juni die Kulturlandinitiative der Grünen angenommen hat, steht hinter diesen Plänen indes ein neues Fragezeichen. Denn der Boden, auf dem das Stadion geplant ist, könnte unter Umständen unter die Restriktionen besagter Initiative fallen. «Wir prüfen derzeit, ob auch Schrebergärten zu den schützenswerten Fruchtfolgeflächen gehören», sagt Markus Pfanner, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Dies gehöre zur gründlichen Auslegeordnung, die Baudirektor Markus Kägi unmittelbar nach dem Urnengang angekündigt habe.

Welche Überlegungen genau hinter diesen Abklärungen stecken, dazu wollte sich die Baudirektion nicht weiter äussern. Klar ist aber, dass eine Definition der Schrebergärten als Fruchtfolgefläche einschneidende Folgen hätte. Denn die Initiative schreibt vor, dass solche Flächen, die zum Zeitpunkt der Abstimmung noch nicht zur Bauzone gehörten, nicht mehr eingezont und bebaut werden dürfen. Für eine Sportarena käme das Areal in Altstetten, das derzeit noch in einer Erholungszone steht, nicht mehr in Frage. Kantonsplaner Wilhelm Natrup bestätigte, dass die Überbauung des geplanten Stadion-Areals im schlimmsten Fall nicht mehr möglich wäre. Daran ändern auch die provisorischen Weisungen zur Umsetzung der Initiative nichts, welche die Baudirektion diese Woche erlassen hat.

Dass es so weit kommen wird, glaubt man bei der Stadt Zürich indes nicht. Das städtische Hochbaudepartement ist über die Abklärungen des Kantons informiert, sieht deren Ausgang aber gelassen entgegen. «Aus unserer Sicht sollte das kein Problem sein», sagt Sprecher Urs Spinner. «Denn dass Schrebergärten zu den wertvollen Fruchtfolgeflächen gehören, das ist wohl nicht im Sinne der Erfinder.»

Tatsächlich zeigen sich selbst die Grünen von den Arbeiten der kantonalen Baudirektion etwas überrascht. «Daran haben wir bei der Lancierung nicht gedacht», sagt Mitinitiantin Marionna Schlatter. Aus ihrer Sicht gehörten Familiengärten ganz sicher nicht zu den besonders wertvollen Landwirtschaftsflächen. Dies bedeute aber nicht, dass nicht auch solche Zonen zu bewahren seien.

Wie die Antwort von Baudirektor Kägi ausfallen wird, dürfte sich im Herbst zeigen. Bis Ende Oktober will der SVP-Regierungsrat aufzeigen, wie er die Initiative umzusetzen gedenkt. Bis spätestens Juni 2013 muss die Regierung dann eine Vorlage an den Kantonsrat überweisen.




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