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Tagblatt Online, 25. April 2012 12:08:00

Chelsea im Final statt im «Leichenhaus»

Ein Abend für Di Matteo und Torres, nicht Guardiola und Messi

Freude und Stolz über den Einzug in den Champions-League-Final: Chelsea-Coach Roberto Di Matteo. Zoom

Freude und Stolz über den Einzug in den Champions-League-Final: Chelsea-Coach Roberto Di Matteo. (Bild: Imago)

Der Einzug des FC Chelsea in den Champions-League-Final hat die Krise in Barcelona verschärft. Die Zukunft von Coach Pep Guardiola ist ungewiss, und Lionel Messi gerät in die Kritik. Dagegen verzeiht man bei Chelsea dem Captain John Terry Tätlichkeit und rote Karte.

In allen Statistiken war Barcelona am Schluss vorne: in der Schussstatistik (23:7), mit den Cornern (10:1) und punkto Ballbesitz (82:18 Prozent). Aber auf beiden Seiten waren je zwei Treffer erzielt worden, und so bedeutete das 2:2 am Dienstag im Camp Nou das Ausscheiden des FC Barcelona aus der Champions League.

Innert vier Tagen haben die Katalanen mit einer 1:2-Heimniederlage am Samstag gegen Real Madrid in der Meisterschaft und dem Unentschieden gegen Chelsea wohl zwei ihrer drei Saisonziele verspielt. Der Champions-League-Final ist definitiv kein Thema mehr, und die spanische Meisterschaft ist mit vier noch zu spielenden Runden und sieben Punkten Rückstand auf Real in weite Ferne gerückt.

Es war ein harter Abend im Camp Nou für Barça, im Speziellen für Trainer Pep Guardiola und Stürmer Lionel Messi.

Guardiola hat bisher 13 von 16 möglichen Titeln gewonnen, seit er auf die Saison 2008/09 Trainer des FC Barcelona geworden ist. Nun bleibt ihm in dieser Saison nur noch der spanische Cup-Final gegen Athletic Bilbao – ein schwacher Trost.

Lionel Messi hat im dritten Spiel in Serie nicht getroffen. Dies ist ihm letztmals im Januar passiert. 63 Treffer hat er für Barcelona in dieser Saison in allen Wettbewerben schon erzielt, aber ausgerechnet gegen Chelsea war ihm das Wettkampfglück nicht hold. Zweimal traf er nur die Torumrandung: in der 49. Minute mit einem Penalty an die Latte, in der 83. Minute mit einem Schuss an den rechten Pfosten.

Damit verlängerte sich Messis «Chelsea-Fluch» auf acht Spiele ohne Treffer gegen die Londoner.

«Messis schlimmster Abend»

In der spanischen Sportzeitung «Marca» war denn auch die Rede von «Messis schlimmstem Abend» und von den «drei schwärzesten Tagen für Pep Guardiola». Barcelona sei zu abhängig von Messi. «Wie könnte dies auch anders sein bei einem Spieler, der schon 63 Tore für die Mannschaft in dieser Saison geschossen hat?», fragt die Zeitung. Aber Messi sei ja erst 24 und werde die Chelsea-Rechnung eines Tages begleichen können.

Guardiola zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte Chelsea zu dessen defensiver Leistung. «Ich bin unglaublich traurig. In den letzten Minuten konnten wir nur noch beten», sagte er nach dem Spiel.

Guardiola, dessen Zukunft bei Barcelona sich gemäss eigenen Aussagen in den nächsten Tagen nach einem Gespräch mit Barcelona-Präsident Sandro Rosell klären soll, musste eingestehen, dass es diese Saison «einfach nicht richtig klappen will».

Guardiola nahm Messi in Schutz: «Wir sind nur dank ihm so weit gekommen. Ich möchte ihm danken und meine Bewunderung für seine Leistung und seinen Mut aussprechen.»

Weiteres Argument für Dauerlösung Di Matteo

Während Guardiola mit dem Misserfolg fertig werden muss, kann sich bei Chelsea Interimstrainer Roberto Di Matteo über seine Erfolgsserie freuen. Nach dem Einzug in den englischen Cup-Final steht seine Mannschaft nun auch im Endspiel der Champions League – ein Argument mehr für eine Dauerlösung Di Matteo als Chelsea-Trainer.

Di Matteo erachtete den Erfolg gegen Barcelona als «verdient». Nach dem Platzverweis gegen Captain John Terry kurz vor der Pause habe er gedacht, es werde schwierig, aber der Treffer von Ramires habe ihm Hoffnung gegeben für die zweite Halbzeit. Seine Spieler hätten so viel getan für diesen Erfolg, das freue ihn ausserordentlich.

«Der Finaleinzug ist ein historischer Moment», sagte Di Matteo. Barcelona sei das beste Team der Welt, und Chelsea habe viele Widrigkeiten überwinden müssen. Seinen Captain verurteilte er nicht für dessen Tätlichkeit an Barcelona-Stürmer Alexis Sanchez. «Solche Fehler können passieren. Es war unser viertes Spiel in neun Tagen. Wir sind alle nur Menschen.»

John Terrys Entschuldigung

John Terry entschuldigte sich für sein Fehlverhalten bei seinen Mitspielern und bei den Fans. «Wer mich kennt, weiss, dass ich eigentlich nicht der Typ bin, der absichtlich den Gegenspieler verletzen will», sagte er nach dem Spiel. «Ich hätte mein Knie in dieser Situation nicht anheben sollen», zeigte er sich reuig über seine erste rote Karte seit zwei Jahren.

Real Madrid und der FC Bayern München, die beiden möglichen Finalgegner, seien «starke Teams». «Wir werden den Final geniessen», so Di Matteo. Er freut sich über die «atemberaubende Verwandlung meines Teams in den letzten acht Wochen».

Die englische Zeitung «Guardian» kommentiert, je schlechter die Vorzeichen für Chelsea stünden, umso besser werde die Mannschaft. Der Einzug in den Champions-League-Final sei eine Belohnung für ihre «Hartnäckigkeit». Als der Penalty Messis an die Latte gegangen sei, habe man spüren können, dass die harte Arbeit belohnt würde.

«Chelsea weigerte sich – obwohl das Blut aus vielen Wunden floss –, sich niederzulegen und zu sterben. Wenn sie schon dem Leichenhaus entfliehen, wollen sie jetzt noch einen weiteren Abend des Ruhms erleben», schreibt der «Guardian».

«Torres hat getroffen!»

Einer, der auch schon totgeglaubt war, machte den Einzug in den Final endgültig: Fernando Torres, der spanische Stürmer in den Reihen der Londoner. Das verleitete die englischen Zeitungen zu speziellen Kommentaren. «Nach 15 miserablen Monaten hat Torres endlich seinen Namen mit etwas anderem als seiner Rekordtransfersumme in die Klubgeschichte geschrieben», so der «Guardian». Und die Boulevardzeitung «Sun» titelte sogar: «Terry rot, Messi verschiesst Penalty, Chelsea im Final, aber am unglaublichsten: Torres hat getroffen!»

Ja, Torres hat getroffen, und Chelsea ist im Final, nicht im Leichenhaus.




Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

ResZaugg (25. April 2012, 13:32)
Final statt im Leichenhaus

Diese Art Fussball gehört aber ins Leichenhaus. Es ist zu hoffen, dass diese italienische Unart keinen langfristigen Einfluss auf den englischen Fussball haben wird und Chelsea im Final mit diesem grässlichen Betonfussbal untergehen wird.

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