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Tagblatt Online, 27. Juli 2012 17:59:10

Beten für den Aletschgletscher

Soll mit kirchlichem Plazet wieder wachsen: Der Aletschgletscher Zoom

Soll mit kirchlichem Plazet wieder wachsen: Der Aletschgletscher (Bild: ZVG)

Am 31. Juli wird in Fiesch erstmals dafür gebetet, dass der Grosse Aletschgletscher wieder wächst. Für diese Religiosität war eine Bewilligung des Papstes nötig. Bisher verpflichtete nämlich ein Gelübde die Gläubigen, gegen den Gletscher zu beten.

Davide Scruzzi

Die katholische Kirche bietet einen reichen Fundus an Kuriositäten. Am kommenden Dienstag wird in Fiesch erstmals eine Prozession durchgeführt, um gegen die klimabedingte Rückbildung des Grossen Aletschgletschers zu beten. Dies hätte bisher gegen ein päpstliches Gebot verstossen. Die Bewohner des Dorfes Fiesch hatten sich nämlich vor 334 Jahren durch ein Gelübde verpflichtet, für das Gegenteil zu beten, weil der einst vorrückende Gletscher Tod und Verwüstung brachte. Mittlerweile wurde Herbert Volken, Präfekt des Bezirks Goms, beim Papst vorstellig und erreichte die Umkehr des Gelübdes – in der Ewigen Stadt hat man auch für klimapolitische Anliegen ein offenes Ohr.

Die landesweit verschickte Einladung kommt nicht vom Pfarrer, sondern von der regionalen Tourismusorganisation. Der Hintergedanke ist eindeutig: Ein solches Ereignis kann gerade in Zeiten der Frankenstärke und der Tourismuskrise auch für die Wirte heilbringend sein, zumal selbst die frömmsten Prozessionsteilnehmer Hunger und Durst haben und allenfalls ein gutes Bett schätzen. Beim Beginn der Prozession haben aber offensichtlich die Tourismus-Manager nicht das Sagen gehabt: Das Volk besammelt sich am 31. Juli gegenüber der Kirche von Fiesch bereits um 6 Uhr morgens.




Leser-Kommentare:
3 Beiträge

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deich (28. Juli 2012, 09:49)
Fiesch

Gelebte "Volksreligion" eben - ist doch nett, harmlos, schadet niemandem! Unserem "Jahrhundert" fügen andere Schaden zu.

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unbekannt (27. Juli 2012, 20:06)
in welchem..................

......jahrhundert leben die menschen in fiesch eigentlich??

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diethelm (29. Juli 2012, 16:55)
Die Menschen in Fiesch

sind topaktuell, sie haben gemerkt, dass bei all dem menschengemachten Unheil (Stichwort Klimawandel) nur noch Gott helfen kann. Die Menschheit wird wohl nie bereit sein, wirksam gegen den Klimawandel aktiv zu werden, denn die Profiteure der heutigen Klimapolitik sind nicht diejenigen, die am meisten unter dem Klimawandel leiden werden.

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