Tagblatt Online, 10. Juli 2012 11:00:29
Regenschirm statt Bikini
Regenschirme sieht man in diesen Tagen mehr als Badehosen. Passanten schützen sich am Vierwaldstättersee in Luzern gegen den Regen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Viele Badis in der Schweiz leiden unter dem durchwachsenen Sommerwetter und verzeichnen bisher weniger Besucher als im vergangenen Jahr. Es gibt aber Hoffnung: 2011 startete der Sommer erst richtig Mitte Juli.
Von Alexandra Kohler
Kühl, gewittrig, Schauer, Hagel und sogar Hochwasser. Seit Anfang Juni zeigt sich der Sommer durchwachsen anstatt trocken und heiss. Auch wenn es zwischendurch immer wieder für einen Tag warm wird, kommt meist kurz darauf die Ernüchterung: Es regnet und gewittert. Unter diesen Bedingungen haben auch die Schweizer Freibäder zu leiden.
In Zürich kamen an den ersten 58 Badetagen insgesamt erst 455 000 Besucher in die 15 städtischen Bäder , im Jahr 2011 waren es bis am 9. Juli bereits 532 000. Am 30. Juni wurde der Spitzenwert von 55 000 Schwimmern verzeichnet, so Hermann Schumacher, verantwortlich für die Schwimmbäder beim Sportamt Zürich. «Abgesehen davon war der Sommer bis anhin sehr durchzogen, die Besucherzahlen schlecht», so Schumacher.
Badi Letzigraben mit meisten Besuchern
Auffallend sei, dass das Freibad Letzigraben bis jetzt am besten besucht wurde – sonst strömen die meisten Sonnenanbeter in die Seebäder. «Der Zürichsee ist eigentlich angenehme 21 Grad warm, aber Gewitter und Regen halten die Leute von der Badi fern», vermutet Schumacher.
Auch im Basler St.-Jakob-Bad ist man zur Mitte der Badesaison mit den Besucherzahlen nicht zufrieden. Der Sommer habe zu regnerisch und unbeständig begonnen, so eine Sprecherin gegenüber der NZZ. Im vergangenen Jahr sei die Freibadsaison in Basel dank einem sehr heissen Mai besser angelaufen.
In Bern ist man dagegen mit der bisherigen Saison zufrieden. Gemäss dem Sportamt Bern habe es bisher knapp 300 000 Besucher in die städtischen Bäder gezogen. Das sind sogar 25 000 mehr als 2011. Das Marzili-Bad kam im Mai und im Juni auf geschätzte 83 000 Besucher, 2011 waren es im gleichen Zeitraum gerade einmal 6000 mehr. Laut Peter Hager, Anlagenchef des Marzili, haben die beiden letzten heissen Juniwochenenden in Bern schon für viele Besucher gesorgt.
Aareschwimmer dagegen gibt es in diesem Jahr vergleichsweise wenige, kommt die Temperatur der Aare doch kaum über 17 Grad hinaus. Der Fluss ist zurzeit 15 Grad kühl. Die Temperatur schwankt momentan ständig, denn mehr als von der Lufttemperatur wird sie vom Wind beeinflusst. «Wenn Nordwind weht, und dieser das warme Oberflächenwasser im Thunersee nach Süden drückt, kühlt sich die Aare schnell ab. Das kann sich aber von Tag zu Tag ändern», so Hager.
Früher Sommerbeginn
Der Sommer hatte in diesem Jahr sehr früh sehr heiss begonnen: Schon am 28. April gab es den ersten Hitzetag, Mitte Mai kletterte das Thermometer für wenige Tage in den Kantonen Baselland und Basel-Stadt, Solothurn, Aargau, St. Gallen, Wallis und Genf auf über 30 Grad. Der Juni startete dagegen eher kühl. Am 10. Juni fiel sogar Schnee bis auf 1500 Meter.
Das dritte Juniwochenende zeigte sich dann von der hochsommerlichen Seite: In weiten Teilen der Schweiz war es heiss und sonnig. Die Krönung folgte am 30. Juni: In Bad Ragaz wurden am heissesten Tag des Jahres laut SF Meteo 35,8 Grad gemessen.
Auf die Hitze folgten Unwetter. Über dem Mittelland gewitterte es heftig, stellenweise fielen Hagelkörner so gross wie Pingpongbälle vom Himmel. Auch der Juli zeigt sich bisher verregnet und wechselhaft.
Saison 2011 auf dem Treppchen
Der Sommer aber ist noch lange nicht vorbei. Wie Hermann Schumacher vom Sportamt Zürich weiss, begann auch der Sommer 2011 durchwachsen. «Im letzten Jahr wurde es ab Mitte Juli richtig heiss, und die Saison wurde daraufhin – was die Besucherzahlen angeht – zur drittbesten in den letzten zwölf Jahren. Wir brauchen also nur drei bis vier Wochen sommerliche Hitze, und es sieht wieder ganz anders aus.»
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