Tagblatt Online, 28. Juli 2012 17:58:33
Mehr Hunde als Kinder
Seltenheit: Mutter mit Kleinkind in Mailand. (Bild: Imago)
Italien hatte schon bisher eine der niedrigsten Geburtenraten aller industrialisierten Länder. Nun hat sich das Problem wegen der Wirtschaftskrise noch verschärft. In Mailand leben inzwischen mehr Hunde als Kleinkinder.
(sda/apa)
Die unsichere Konjunktur wirkt sich in Italien auf die Geburtenrate aus: 546 606 Kinder sind dort letztes Jahr auf die Welt gekommen, das sind 15 338 weniger als 2010. 2008 hatte es noch 576 659 Geburten gegeben.
Vor allem in Norditalien sinkt die Geburtenrate. Laut einer Studie der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi leben in Mailand mehr Hunde als Kleinkinder. 120 000 Vierbeiner gibt es in der lombardischen Hauptstadt offiziell, während die Zahl der Kinder unter sechs Jahren auf 83 605 geschrumpft ist.
Dies sei auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass viele Elternpaare wegen der hohen Wohnungspreise die Stadt verliessen. In Mailand leben 400 000 Menschen über 60 Jahre, die sich gerne Hunde anschaffen.
Italien altert immer mehr. In zehn Jahren hat sich die Zahl der über hundertjährigen Italiener verdreifacht. Es sind nun mehr als 16 000 Menschen. 2001 waren es noch 5400 gewesen. 20,3 Prozent der italienischen Bevölkerung sind älter als 65, wie aus einer Studie des nationalen italienischen Statistikamts Istat hervorgeht. Vor zehn Jahren waren es noch 18,4 Prozent gewesen.
Die Lebenserwartung in Italien, die zu den höchsten der Welt zählt, stieg 2010 auf 79,1 Jahre für Männer und 84,3 Jahre für Frauen. Kinder unter 14 Jahren machen nur 14 Prozent der italienischen Bevölkerung aus.
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