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Tagblatt Online, 12. Juni 2012 20:48:00

Margarete Mitscherlich ist tot

Margarete Mitscherlich aufgenommen im Juli 2009 in Frankfurt am Main. Zoom

Margarete Mitscherlich aufgenommen im Juli 2009 in Frankfurt am Main.

Die Grande Dame der Psychoanalyse, Margarete Mitscherlich, ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

(sda/dpa)

Die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich ist tot. Sie starb am Dienstagvormittag im Alter von 94 Jahren, teilte das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut mit. Es bestätigte damit einen Bericht von Deutschlandradio Kultur.

Die Grande Dame der Psychoanalyse war viele Jahre an dem Institut in Frankfurt am Main tätig. Gemeinsam mit ihrem 1982 gestorbenen Mann Alexander Mitscherlich analysierte sie in «Die Unfähigkeit zu trauern» (1967) die Nachkriegsgesellschaft. Der Bestseller über kollektive Verdrängungsmechanismen gilt als ein Schlüsseltext der Studentenbewegung.

Als Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen 1917 in Dänemark zur Welt. Ihr Abitur machte sie während der Nazi-Diktatur in Flensburg. Nach dem Medizin-Studium in München und Heidelberg arbeitete sie vorübergehend in der Schweiz, wo sie Alexander Mitscherlich kennenlernte. 1949 kam der gemeinsame Sohn Matthias auf die Welt.

Margarete Mitscherlich wandte sich später der Frauenbewegung zu. Sie verfasste 1985 ihr wohl wichtigstes eigenes Buch «Die friedfertige Frau».

Mit ihrem Leben sei sie rückblickend «ganz zufrieden», sagte Mitscherlich zu ihrem 90. Geburtstag. Bis zuletzt hielt sie noch gelegentlich psychoanalytische Sitzungen ab.




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