Tagblatt Online, 04. Juli 2012 10:47:00
«Ich glaube wir haben es»
Peter Higgs, einer der Väter des Higgs und sein Namensgeber. (Bild: Keystone/EPA)
Das ominöse Higgs-Teilchen ist vermutlich entdeckt. Das Cern hat am Mittwoch in Genf mitgeteilt, Forscher hätten ein Teilchen beobachtet, dessen Eigenschaften mit denen des Higgs übereinstimmten. Noch ist nicht ganz klar, ob es sich wirklich um jenes Teilchen handelt, das im Standardmodell der Physik vorhergesagt wird, oder um eine exotischere Variante. Doch die Champagnerkorken knallen jetzt schon.
Es ist ein ganz besonderer Tag für die Forscher am Teilchenphysik-Laboratorium Cern in Genf. Ein Tag, auf den sie lange hingefiebert hatten, ein Tag, der wohl in die Geschichtsbücher der Physik eingehen wird. Die beiden grossen Kollaborationen am Cern – jene des Atlas-Experiments, und jene des CMS-Experiments – haben bekanntgegeben, ein Teilchen beobachtet zu haben, bei dem es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um das lange gesuchte Higgs-Teilchen handelt.
Dieses Teilchen – es gehört zur Kategorie der Bosonen – ist der letzte Baustein, der noch fehlt, um das Standardmodell der Teilchenphysik zu vervollständigen. Mit dem Standardmodell erklären sich die Physiker, wie die Grundbausteine der Materie zusammenwirken.
Frühere Resultate bestätigt
Mit neuen Daten konnten die Forscher Resultate vom vergangenen Jahr bestätigen. Damals fanden sie Hinweise auf ein neues Teilchen. Nun haben die gesammelten Daten eine höhere Aussagekraft, eine höhere Signifikanz. Das Cern spricht in seiner offiziellen Stellungnahme dennoch nicht von einer «Entdeckung». Die ersten Publikationen der Resultate in Fachzeitschriften sind Ende Juli zu erwarten.
Das neue Teilchen hat eine Energie von rund 125 bis 126 Gigaelektronenvolt. Damit liegt es in einem Energiebereich, der mit dem Higgs-Teilchens des Standardmodells kompatibel ist. Trotzdem können die Cern-Forscher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, ob es sich um das Higgs-Teilchen des Standardmodells handelt, oder um ein anderes, exotischeres Teilchen. Dafür sind weitere Untersuchungen nötig.
Vieles spricht aber dafür, dass es tatsächlich das Higgs-Teilchen ist. «Wir wissen, dass es ein Boson ist, und dass es das bisher schwerste beobachtete Boson ist», sagte der Sprecher des CMS-Experiments, Joe Incandela. Er sprach in Genf an einem Seminar, wo Atlas und CMS ihre neusten vorläufigen Daten vorstellten. Das Seminar konnte live übers Internet verfolgt werden.
«Wir haben einen Meilenstein erreicht in unserem Verständnis der Natur», kommentierte der Cern-Direktor Rolf Heuer die neuen Resultate. «Als Laie würde ich nun sagen: Ich glaube wir haben es. Stimmen Sie zu?» Das Publikum in Genf brach in Jubel aus.
Im Saal sass auch der Physiker Peter Higgs, nach dem das Higgs-Teilchen benannt ist. Er war einer jener Forscher, die den theoretischen Formalismus zum Higgs-Teilchen entwickelten.
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