Tagblatt Online, 19. Juni 2012 00:00:00
Gelungene Sprengung
Die Sprengung am Gotthard verlief erfolgreich. (Bild: Keystone / Urs Flueeler)
Die Sprengung von rund 2000 Kubikmetern Fels oberhalb des verschütteten Bahntrassees bei Gurtnellen ist am Montag erfolgreich verlaufen. Die SBB sind zuversichtlich, dass die Gotthardbahnlinie ab dem 2. Juli wieder befahrbar sein wird.
Alois Feusi, Gurtnellen
Die heiseren Hornstösse des Voralarms sind verklungen, und der Countdown von zehn an abwärts ist gezählt. Exakt um 12 Uhr 30 schiessen gleissende Flammen sowie graue und schwarze Rauchschwaden aus der Felsnase hoch über den seit dem 5. Juni verschütteten Bahngeleisen bei Gurtnellen. 2000 Kubikmeter Fels bersten unter dem Druck der Explosion und prasseln als sich langsam ausdehnende Geröllmasse in die Tiefe.
Eine Sekunde später hämmern der Knall der Sprengung und das Donnern und Knattern des stürzenden Felses an die Trommelfelle der Zuschauer beim Steinbruch Güetli auf der gegenüberliegenden Talseite. Der Beobachtungsplatz für SBB-Vertreter, Geologen, Techniker, Polizei und Medien liegt etwas erhöht und nur wenig ausserhalb der 300-Meter-Sicherheitszone. Das übrige Gebiet ist weitherum abgesperrt.
Kaum Verkehrszunahme in Uri
Seit dem Morgen achteten Polizisten darauf, dass keine Schaulustigen auf Wanderwegen in die Nähe des zwischen Amsteg und Wassen gelegenen Sprenggeländes gelangen konnten. Nach 11 Uhr 45 sperrte die Polizei die an die gegenüberliegende Flanke des engen Tales gebaute Autobahn für den Verkehr. Nach der Durchfahrt des letzten Bahnersatzbusses um 12 Uhr wurde auch die Kantonsstrasse geschlossen.
Für die Sprengung der gefährlichen Felsnase, ohne die die Aufräumarbeiten an der verschütteten Stelle der Bahnlinie nicht aufgenommen werden können, waren ungefähr 300 Kilogramm Sprengstoff in 24 grösseren und 30 kleineren Bohrlöchern in den Berg eingebracht worden. Man durfte nicht riskieren, dass nach dem Todesopfer und den beiden verletzten Arbeitern vom 5. Juni durch weggeschleuderte Gesteinsbrocken weitere Personen zu Schaden kommen.
Die temporäre Sperrung verlief problemlos; dies nicht zuletzt, weil an diesem Morgen weniger Verkehr registriert wurde als an normalen Montagen, wie Major Reto Habermacher, Kommandant der Kantonspolizei Uri, erklärte. Überhaupt habe es seit dem Felssturz keine merkliche Frequenzzunahme auf den Urner Strassen gegeben, weder beim Schwerverkehr noch beim Individualverkehr. Erfahrungsgemäss organisiere sich das Transportgewerbe in solchen Fällen sehr schnell, weiss der höchste Urner Polizist. Zu Problemen komme es jedoch bei Sperrungen von ein oder zwei Tagen Dauer. «Dann warten alle, bis die Strasse wieder frei ist.»
Felsabbruch nach Plan
Am Montagmittag waren die Strassen sehr schnell wieder befahrbar. Wie ein Inspektionsflug der Geologen mit einem Helikopter ergab, war die gefährliche Felspartie entlang jener zuvor verborgenen Kluft, an der sich der Felssturz vom 5. Juni gelöst hatte, genau so weggebrochen, wie es geplant war.
Kaum hatte der Wind den graubraunen Staub etwas talaufwärts getrieben, seilten sich Arbeiter in orangefarbenen Überkleidern in den Fels ab, um diesen von Gesteinsresten zu reinigen. Diese Arbeiten werden drei Tage dauern. Danach wird mit dem Aufräumen und der Wiederinstandstellung des Trassees begonnen. Die SBB hoffen, die Gotthardlinie spätestens am 2. Juli wieder in Betrieb nehmen zu können.
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lachenhans (19. Juni 2012, 14:21)
Auch der Rest wird noch kommen
Wenn man das stehengebliebene Felsstück links im Bild ansieht gibt das zu denken. Man muss kein Geologe sein um zu sehen, dass es sich nicht um ein Stück stabilen Fels handelt. So wie er beschaffen ist, wird auch er die Strasse weiterhin bedrohen. Es ist zu hoffen, dass trotz momentaner Euphorie dieses Stück Fels durch genügend Sensoren weiterhin überwacht wird. Spätestens nächsten Frühling nach dem Frost werden sich bestimmt Veränderungen zeigen.
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