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Tagblatt Online, 12. Juni 2012 00:00:00

Ein Dingo holte das Baby

Aufsehen erregender Todesfall in Australiens Outback gelöst

32 Jahre nach dem Verschwinden von Azaria Chamberlain aus einem Zelt beim Uluru steht die Todesursache offiziell fest: Ein Dingo hatte das Mädchen getötet.

Der Tod von Azaria Chamberlain ist nach 32 Jahren offiziell geklärt. Das knapp zehn Wochen alte Baby wurde am Abend des 17. August 1980 beim Uluru, damals noch Ayers Rock genannt, in den australischen Northern Territories von einem Dingo verschleppt. Zu diesem Schluss kam am Dienstag in Darwin eine australische Untersuchungsrichterin – die vierte, die sich seit dem Verschwinden Azarias mit dem Fall befasst hat. Sie kämpfte mit den Tränen, als sie der Familie nach der Bekanntgabe des Verdikts ihr Mitgefühl für den Verlust der Tochter aussprach. Damit endet der lange Kampf von Azarias Eltern, Lindy und Michael Chamberlain, die inzwischen geschieden sind. Für sie war seit jenem Abend, als es passierte, klar gewesen, dass ihre Tochter von einem Dingo verschleppt worden war. Lindy Chamberlain, damals 32-jährig, hatte Azaria im Zelt zum Schlafen gelegt und war zurück zum Barbecue gegangen, nur 20 bis 25 Meter entfernt, als eine Bekannte vom Zelt her ein Kind schreien hörte. Lindy Chamberlain lief sofort zurück, sah, wie sie später aussagte, einen Dingo davonrennen und schrie: «Der Dingo hat mein Baby!» Eine Zeile, die der Film «A Cry in the Dark» mit Meryl Streep in der Hauptrolle als Lindy Chamberlain, 1988, weltberühmt machte. Doch fiel der Verdacht bald auf die Eltern selber. Man hatte angeblich Blut in ihrem Auto gefunden. 1982 wurde Lindy Chamberlain wegen Mordes zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, ihr Mann «als Helfer nach der Tat» zu einer Strafe auf Bewährung. 1986 aber, als man beim Uluru das Jäckchen von Azaria wiederfand, das nahe vom Dingo-Bau lag, wurde der Fall erneut aufgerollt. Es fanden sich weitere Beweise, die gegen die Mordthese sprachen. 1987 wurden die Eltern freigesprochen und entschädigt.

Obschon damals neue Indizien für die Dingo-These aufgetaucht waren, galt die Todesursache seither offiziell als «nicht bekannt». Dagegen wehrten sich die Eltern, bis sie am Dienstag nun recht erhielten. Die Untersuchungsrichterin stützte sich auf die bisherige Beweislage, verwies zusätzlich aber auf mehrere Fälle seit 1986, bei denen Kinder von Dingos attackiert worden waren. «Wir sind erleichtert, an ein Ende dieser Geschichte zu kommen», sagte Lindy Chamberlain. Man könne Gerechtigkeit finden, sagte Azarias Vater, selbst wenn man glaube, es sei alles verloren.




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