Tagblatt Online, 13. Juni 2012 00:00:00
Dieselabgas ist krebserregend
Neueinstufung durch Internationale Krebsforschungsagentur
Dieselabgase sind nach einer neuen Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung krebserregend. (Bild: Keystone / AP)
Die Abgase aus Dieselmotoren können beim Menschen Lungen- und Blasenkrebs verursachen. Zu diesem Schluss ist ein Expertengremium gekommen.
Stephanie Lahrtz, München
Dieselabgase sind nach einer neuen Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) definitiv krebserregend. Dies habe eine Arbeitsgruppe renommierter Experten unterschiedlicher Fachgebiete nach einer Woche intensiver Prüfung aller derzeit vorliegenden Studien über Dieselabgase beschlossen, teilte die IARC am Dienstagabend mit. Damit wurde die seit 1988 gültige Einstufung als «möglicherweise krebserregend» verschärft. Für Abgase von Benzinmotoren blieb hingegen diese letztgenannte, etwas weniger definitive Einstufung erhalten.
Es gebe ausreichend wissenschaftliche Daten aus Untersuchungen an Menschen, Tieren sowie Zellkulturen, die bewiesen, dass Dieselabgase eine Ursache von Lungenkrebs seien sowie das Risiko für Blasenkrebs erhöhten, betonte Christopher Portier, Leiter der IARC-Arbeitsgruppe, in einer Telefonkonferenz am Dienstagabend. Das bedeute jedoch nicht, dass jeder, der Dieselabgasen ausgesetzt sei, Lungen- oder Blasenkrebs bekomme. Man könne derzeit auch nicht sagen, wie viel Dieselabgase eine Person im Laufe ihres Lebens einatmen müsse, um auf jeden Fall Lungenkrebs zu bekommen. Denn jede Krebserkrankung hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab, die sich zudem meist auch noch gegenseitig verstärken wie beispielsweise Zigarettenrauch und Dieselabgase.
Auch hat die IARC nicht festgelegt, welche der in den Abgasen enthaltenen Substanzen definitiv zur Entartung von Zellen führt. Experten halten sowohl die Russpartikel als auch diverse chemische Moleküle für gefährlich. Eventuell ist auch die in Dieselabgasen vorhandene Mischung mehrerer Substanzen der eigentliche Krebsauslöser.
Laut dem IARC-Direktor Christopher Wild hat die neue Einstufung für die Industrieländer kaum direkte Auswirkungen. Denn dort existierten bereits Luftreinhalteverordnungen und Emissionsvorschriften für Motorenhersteller. Völlig anders sehe es jedoch in Entwicklungsländern aus. Hier habe man zum einen viele alte Motoren ohne Partikelfilter und zum anderen sehr wenig Daten über die Exposition der Bevölkerung. Vielleicht könne die neue Einstufung manche Regierung etwas wachrütteln.
Doch auch in der Schweiz hat noch keineswegs jedes dieselbetriebene Fahrzeug wie Baumaschinen, Camions oder auch Pistenfahrzeuge einen Partikelfilter, wie das Bundesamt für Umwelt auf Anfrage mitteilte. Nur für manche Fahrzeuggruppen wie beispielsweise Baumaschinen existieren explizite Umrüstungsvorschriften mit Zeitlimiten. Auch hierzulande besteht also noch Handlungsbedarf.
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