Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 09. Juni 2012 20:13:35

Vier französische Soldaten sterben bei Anschlag in Afghanistan

In Afghanistan hat ein verschleierter Selbstmordattentäter vier französische Soldaten in den Tod gerissen. Bei dem Anschlag im Osten des Landes wurden am Samstag zudem fünf Soldaten verletzt, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte.

(Reuters)

Bei einem Selbstmordattentat im Osten Afghanistans wurden vier französische Soldaten getötet und fünf weitere Soldaten verletzt. Drei der Verletzten befinden sich in einem kritischen Zustand.

Präsident François Hollande wollte Aussenminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag nach Afghanistan schicken. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff, der einen Tag vor Beginn der französischen Parlamentswahlen den Afghanistan-Einsatz schmerzhaft ins Bewusstsein der Franzosen zurückholte.

«Unglücklicher Zwischenfall»

Der Anschlag ereignete sich in der Bergprovinz Kapisa, wo die Nato vor allem Franzosen unter ihrem Kommando hat. Das afghanische Innenministerium sprach von einem unglücklichen Zwischenfall. Die Franzosen seien auf einem kleinen Basar auf Patrouille gewesen, als der mit einem Ganzkörperschleier bekleidete Selbstmordattentäter sich in ihrer Nähe in die Luft gesprengt habe. Seit der von US-Truppen geführten Afghanistan-Invasion im Jahr 2001 waren vor dem jüngsten Anschlag bereits 83 Franzosen in Afghanistan getötet worden. Mehr Opfer haben die USA, Grossbritannien und Kanada zu beklagen.

Die Todesfälle haben in Frankreich Forderungen nach einem vorzeitigen Abzug laut werden lassen. Die Regierung in Paris will nun den Grossteil seiner rund 3400 Soldaten bis Ende dieses Jahres vom Hindukusch zurückholen – zwei Jahre früher als ursprünglich mit der Nato vereinbart. Präsident Hollande verteidigte diese Pläne zuletzt im Mai bei einem Besuch in Afghanistan: Der Kampf gegen den Terrorismus sei praktisch beendet, nun werde sich Frankreich auf den zivilen Wiederaufbau des Landes konzentrieren. Hollandes Sozialisten steuern bei der Parlamentswahl laut Umfragen auf eine knappe Mehrheit zu.

Abzug ausländischer Soldaten bis Ende 2014

Doch der vorzeitige Abzug hat Befürchtungen geschürt, andere Mitglieder der von der Nato geführten Afghanistan-Truppe könnten dem Beispiel der Franzosen folgen, und die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan könnte voreilig in die Hände örtlicher Sicherheitskräfte gelegt werden. Die meisten ausländischen Soldaten sollen bis Ende 2014 aus Afghanistan abgezogen werden.

In den vergangenen Wochen hatte die Zahl der Gewalttaten in Afghanistan deutlich zugenommen. Die Taliban hatten angekündigt, ihre Anschläge auf einheimische Sicherheitskräfte und internationale Truppen zu verstärken.




Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

tagblatt.ch / lagerblog

lagerblog_banner

facebook.com / tagblatt

 ...