Tagblatt Online, 22. August 2012 15:12:58
Südkoreas Präsident besucht umstrittene Eilande
Zwischen Japan und Südkorea liegen die Inseln, welche die Koreaner Dokdo und die Japaner Takeshima nennen. (Bild: Keystone / AP)
Lee Myung Bak besucht als erster südkoreanischer Präsident eine Inselgruppe, die auch von Japan beansprucht wird. Tokio protestiert laut, provoziert aber selbst weiter südlich.
Patrick Zoll, Tokio
Am Freitag hat der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak die Dokdo-Inseln besucht, zwei Felsen im Meer zwischen Japan und Korea, die einzig von ein paar südkoreanischen Polizisten bewohnt sind. Japan nennt die Inseln Takeshima und beansprucht sie für sich. Tokio protestierte bereits am Morgen, als Lees Pläne bekanntgeworden waren. Am Nachmittag berief Japan den diplomatischen Vertreter Südkoreas ein und kündigte an, seinen Botschafter aus Seoul zu Konsultationen zurückzurufen.
Motiv unklar
Die umstrittenen Inseln sorgten bereits vor Wochenfrist für diplomatische Aufregung. Nachdem Japan in einem Bericht zur Landesverteidigung Takeshima als Teil seines Territoriums bezeichnet hatte, protestierte Seoul mit Nachdruck. Mit Lees Besuch, dem ersten eines südkoreanischen Präsidenten überhaupt, erreicht der seit langem schwelende Streit eine neue Intensität. Um Lees Reise per Helikopter zu sichern, flogen Kampfflugzeuge der südkoreanischen Luftwaffe über Dokdo Patrouille, auch die Marine soll laut militärischen Quellen in Seoul Präsenz markiert haben. Für nächste Woche sind gemeinsame Manöver von Luftwaffe, Marine und Küstenwache geplant, bei denen das Eindringen eines fremden Schiffes in die Gewässer um die Inseln geübt werden soll.
Auch wenn Südkorea darauf besteht, dass sein Präsident das gesamte Territorium des Landes besuchen könne, ist nicht klar, warum Lee die Inseln gerade jetzt besucht. Zwar sind im Dezember Präsidentschaftswahlen, doch Lee kann da nicht mehr antreten. Es ist kaum anzunehmen, dass er seiner Partei damit viel Goodwill verschafft; zu sehr versucht sich diese bereits seit den Parlamentswahlen vom Frühjahr vom ungeliebten Präsidenten zu distanzieren.
Medien und Analysten auf beiden Seiten gehen davon aus, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter abkühlen werden. So sind die Chancen noch kleiner geworden, dass ein Abkommen über den Austausch von militärischen Geheimdienstinformationen verabschiedet wird. Vor eineinhalb Monaten verschob Lee das unterschriftsbereite Abkommen im letzten Moment, da der Widerstand gegen eine Militärkooperation mit der ehemaligen Kolonialmacht zu gross geworden war.
Washington wünscht sich eine engere Zusammenarbeit zwischen seinen beiden wichtigsten Verbündeten in Ostasien. Und wenn es zum Beispiel um das nordkoreanische Raketen- und Atomprogramm geht, decken sich die Interessen von Seoul und Tokio eigentlich auch.
Tokio will Inseln kaufen
Der Streit um Dokdo spiegelt denjenigen um die Senkaku-Inseln weiter südlich. Die von Japan kontrollierten Inseln werden von China und Taiwan beansprucht, die sie Diaoyu beziehungsweise Tiaoyutai nennen. Während sich Japan ob der Aktivitäten Seouls im Norden beklagt, provoziert es derweil im Süden. Seit der nationalistische Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, vor ein paar Wochen angekündigt hat, die Inseln von einem privaten japanischen Eigentümer kaufen zu wollen, schrillen die Alarmglocken in Peking und Taipeh.
In den nächsten Wochen sollen Vertreter der Stadtregierung von Tokio die Inseln besuchen, um Abklärungen für den Kauf zu treffen. Der Verteidigungsminister liess verlauten, dass die Marine der Selbstverteidigungskräfte bereit sei, die Inseln zu schützen, falls die Küstenwache dazu nicht fähig sei. Ein Fünfpunkteplan von Taiwans Präsidenten Ma Ying-jeou, der unter anderem ein Teilen der in der Region vermuteten Ressourcen vorschlägt, ging vergangene Woche im nationalistischen Gehabe unter.
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adolfk31 (10. August 2012, 12:30)
Beiden Laendern ist eben ...
nur eine politische Ausdehnung in diesem Gebiet moeglich .... daher .....
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