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Tagblatt Online, 26. Juni 2012 10:58:09

Putin auf Nahostreise

Der russische Staatschef beginnt seine Tour in Israel. Zoom

Der russische Staatschef beginnt seine Tour in Israel. (Bild: Imago)

Russlands Präsident Wladimir Putin ist zum ersten Mal seit sieben Jahren in den Nahen Osten gereist. Als Erstes standen am Montag Gespräche in Israel auf dem Programm.

Monika Bolliger, Jerusalem

Der russische Staatschef Putin ist am Montag zum Auftakt einer Nahostreise in Israel eingetroffen. Er traf sich mit dem israelischen Präsidenten Netanyahu, Aussenminister Lieberman und Präsident Peres, wobei unter anderem Gespräche über Iran und Syrien auf dem Programm standen sowie der festgefahrene Friedensprozess mit den Palästinensern. Am Dienstag ist ein Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Abbas in Cisjordanien geplant, bevor Putin weiter nach Jordanien reist.

Zwist über Iran

Mit über einer Million Immigranten aus der früheren Sowjetunion verbindet Israel kulturell viel mit Russland. Doch politisch gibt es Differenzen, vor allem in Hinblick auf das iranische Atomprogramm. Putin bezeichnete früher einen möglichen israelischen Militärschlag gegen Irans Atomanlagen als «wahrhaft katastrophal». Russland sieht Iran als wichtigen Handelspartner sowie als strategische Allianz zur Begrenzung des Einflusses der USA in Zentralasien sowie der türkischen Ambitionen, sich als Regionalmacht zu positionieren. Sehr zum Missfallen Israels hat Russland den Bau des ersten iranischen Atomreaktors Bushehr ermöglicht. Zugleich kommt es aber auch immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Moskau und Teheran – etwa im Rahmen der Uno-Sanktionen, an die sich auch Russland halten muss. Nach dem gemeinsamen Treffen erklärte Netanyahu, Russland und Israel seien sich einig, dass Nuklearwaffen in den Händen Irans eine grosse Bedrohung darstellten, vor allem für Israel, aber auch für die Region und die ganze Welt. Die Möglichkeit eines Militärschlages erwähnte er nicht.

Einigkeit über Syrien?

Im Gegensatz zur Iran-Frage dürften sich Netanyahu und Putin hinsichtlich Syrien eher einig sein. Beide haben wenig Interesse an einem Sturz des Regimes von Asad. Russlands Kriegsschiffe im syrischen Hafen von Tartus sowie Waffenlieferungsabkommen machen Asad zu einem wichtigen Partner für Putin. Israel fürchtet sich vor einer Destabilisierung der Grenze zum Golan und davor, dass Syriens chemische Waffen in falsche Hände geraten könnten. Asad ist für Israel trotz seinem Bündnis mit Hizbullah und Hamas ein verlässlicher Feind und ist daher dem Unbekannten vorzuziehen. Über den Inhalt der Gespräche zu Syrien während Putins Besuch in Israel wurde nichts bekannt.




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