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Tagblatt Online, 06. Februar 2012 00:00:00

Mitt Romney gewinnt auch in Nevada

Nach heftigen Duellen zunehmend Fragezeichen zum republikanischen Auswahlverfahren

Mit einem überzeugenden Sieg in Nevada hat Mitt Romney seinen Siegeszug im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur am Samstag fortgesetzt. Das lange Auswahlverfahren ruft bereits einige kritische Stimmen auf den Plan.

Peter Winkler, Washington

Mitt Romney ist in den Parteiversammlungen (Caucuses) von Nevada deutlich als Spitzenreiter im vierköpfigen Feld der republikanischen Präsidentschaftsanwärter bestätigt worden. Nach Auszählung von fast drei Vierteln der lokalen Parteiverbände führte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts mit 48 Prozent der Stimmen. Hinter ihm musste sich Newt Gingrich mit 23 Prozent klar geschlagen geben, der zeitweise vom drittplacierten Ron Paul noch eingeholt zu werden drohte. Rick Santorum setzte seine Serie sehr mässiger Resultate mit gut 11 Prozent der Stimmen fort.

Durststrecke für Gingrich

Romney hatte in Nevada bereits vor vier Jahren mit einem Glanzresultat gewonnen. Ein Grund dafür ist, dass seine mormonischen Glaubensbrüder in der republikanischen Wählerschaft relativ stark vertreten sind. 2008 hatten rund ein Viertel der Teilnehmer an den Caucuses in Nachbefragungen angegeben, Angehörige der Mormonen-Kirche zu sein. Romney hatte aber auch die mit Abstand beste Organisation in diesem ersten westlichen Vorwahlstaat aufgebaut, während Gingrichs Wahlkampf eher von Pannen und öffentlich ausgetragenen Differenzen geprägt war.

Während Romney in seiner Siegesrede – wie schon in Florida am letzten Dienstag – den Blick weit nach vorne auf das angestrebte Duell mit Präsident Obama richtete und deshalb die Schwächen des Präsidenten ins Zentrum stellte, verzichtete Gingrich ganz auf eine Party für seine Anhänger und begnügte sich mit einer Pressekonferenz. Er schwor erneut, er werde auf jeden Fall bis zum Parteikonvent in Florida im Rennen bleiben, an dem der republikanische Kandidat nominiert wird. Er warf den Medien vor, Gerüchte über eine hohe Schuldenlast seines Wahlkampfteams zu streuen, und nannte Romney «grundlegend unehrlich», nachdem er ihn in Florida als «Serienlügner» verunglimpft hatte.

Gingrich hat noch eine längere Durststrecke vor sich, bevor er sich am «Super Tuesday» vom 6. März Hoffnungen auf einen Sieg, beispielsweise in seinem Heimatstaat Georgia, machen kann. Am nächsten Dienstag stehen Caucuses in Colorado und Minnesota auf dem Programm. Nach einer längeren Pause sind Primaries in Michigan und Arizona auf den 28. Februar angesetzt. Rick Santorum, der seit seinem knappen Sieg in den Caucuses von Iowa nie mehr richtig Tritt gefunden hat, dürfte den stärksten Druck verspüren, entweder endlich wieder einmal an der Spitze des Felds aufzutauchen oder seine Hoffnungen mit einem Abbruch des Rennens zu begraben. Er hatte Nevada bereits verlassen, als dort die Parteiversammlungen begannen, und sich dafür auf Colorado und Minnesota konzentriert.

Langwieriges Prozedere

Besonders die zum Teil gehässigen Anzeigenkampagnen und Bemerkungen, die das Duell zwischen Romney und Gingrich in Florida prägten, haben kritische Stimmen auf den Plan gerufen, die das neue Auswahlverfahren der Republikaner für zu lang halten. Im Hinblick auf die Wahl im Herbst sei es für den republikanischen Herausforderer nicht hilfreich, monatelang im Kreuzfeuer seiner Konkurrenten zu stehen, weil dies sein Ansehen auf jeden Fall beschädige.

Doch für die Parteistrategen, die das neue Verfahren aufstellten, liegt die Schuld nicht beim Prozedere. Die Absicht, das Rennen länger als früher offenzuhalten, sei erreicht worden und habe es mit mehr Energie und Leidenschaft erfüllt. Problematisch seien nicht die neuen Regeln für die Wahltermine und die Bestimmung, im frühen Stadium des Rennens nur eine proportionale Zuteilung von Delegierten zuzulassen. Problematisch sei einzig und allein der Stil gewisser Kandidaten.




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