Tagblatt Online, 15. Juni 2012 21:40:00
Mindestens 16 Tote bei Einsatz gegen Landbesetzer
Der paraguayische Präsident Fernando Lugo bei einer Pressekonferenz. (Bild: Keystone / EPA)
(sda/dpa/afp) In Paraguay sind bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und landlosen Bauern am Freitag mindestens 16 Menschen getötet worden. Laut Innenminister Carlos Filizzola lieferten sich Polizisten und Bauern Schusswechsel in der Ortschaft Curuguaty, etwa 250 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Asunción.
Sieben Polizisten und mindestens neun Bauern seien unter den Todesopfern. Ein Vertreter der Rettungsdienste des südamerikanischen Landes sprach von 80 Verletzten.
Nach Angaben der Polizei hatten mehrere hundert landlose Bauern in Curuguaty ein Naturschutzgebiet besetzt, das dem Unternehmer und ehemaligen Senator Blas Riquelme gehört.
Der Polizeichef des Bezirks Canindeyu, Walter Gomez, sagte einem Fernsehsender, als die Polizei zur Räumung angerückt sei, hätten die Bauern sofort geschossen. Diese seien mit grosskalibrigen Waffen wie M-16-Gewehren ausgerüstet.
Paraguays Präsident Fernando Lugo sagte den Sicherheitskräften seine «uneingeschränkte Unterstützung» zu und berief den Innenminister, den Verteidigungsminister und den Chef der Streitkräfte zu sich. Der Senat beriet in einer Krisensitzung über eine Verhängung des Ausnahmezustands in der Region.
Prozess angestrengt
Die Bauernverbände hatten gegen Riquelme einen Prozess wegen illegaler Aneignung staatlichen Besitzes angeregt. Gegen das Urteil, das Riquelme recht gab, hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.
Die paraguayische Wahrheitskommission, die bis 2008 Verbrechen der Diktatur des Generals Alfredo Stroessners (1954-1989) untersuchte, befand, dass bei der Übergabe des Landguts vom Staat an Riquelme 1975 zahlreiche Unregelmässigkeiten begangen wurden.
Riquelme erklärte am Freitag, an der Landbesetzung hätten Mitglieder der Paraguayischen Volksarmee (EEP), einer kleinen Guerillagruppe, teilgenommen. Innenminister Filizzola bestritt an einer Pressekonferenz in Asunción, dass es Anzeichen hierfür gebe. Bei den Vorfällen in Curaguaty seien 321 bewaffnete Polizisten mit Unterstützung von Helikoptern im Einsatz gewesen.
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