Tagblatt Online, 10. Juli 2012 20:30:59
Gutes Abschneiden der Allianz Jibrils
Wahlwerbung für die Partei von Mahmud Jibril in der Stadt Benghasi. (Bild: Reuters)
Einige Resultate der libyschen Wahlen deuten auf ein gutes Abschneiden der Allianz der Nationalen Kräfte hin, die vom früheren Regierungschef Jibril geführt wird. Wie die gewählten Unabhängigen politisch einzuordnen sind, ist noch völlig offen.
Astrid Frefel, Kairo
Mindestens bis Donnerstag dürfte es dauern, bis die Wahlkommission in Tripolis das offizielle Resultat der Wahlen zum 200-köpfigen Nationalkongress veröffentlichen kann. Aber bereits haben Politiker auf Einzelergebnisse reagiert. In Benghasi begrüsste Ahmed az-Zubair, der Vorsitzende des selbsternannten Cyrenaika-Übergangsrats, den sich abzeichnenden Sieg der Allianz der Nationalen Kräfte von Mahmud Jibril ausdrücklich.
Freuen auf konstruktiven Dialog
Jibril mit seiner Offenheit, seiner Art zu denken und seinen Visionen stehe den Föderalisten am nächsten; man freue sich auf einen konstruktiven Dialog. Zubair distanzierte sich auch dezidiert von den Gewaltakten einiger Autonomiebefürworter. Die Gewalt am Wahltag sei von Rowdys verübt worden. Seine Organisation setze ganz auf friedliche Mittel, betonte er.
Jibrils Allianz, die in ihrem Programm eine ausgeprägte Dezentralisierung verspricht, hatte schon vor dem Urnengang vom letzten Samstag Kontakte zu den Föderalisten im Osten des Landes geknüpft. In einer Stellungnahme nach den Wahlen forderte der frühere Regierungschef alle Parteien auf, zusammenzukommen und einen nationalen Dialog zu beginnen. Es gebe keine Verlierer, alle seien Gewinner der Wahlen.
Partei eines Einheimischen macht in Misrata das Rennen
Rund 1,8 der 2,8 Millionen eingeschriebenen Wähler und Wählerinnen, das heisst rund 64 Prozent, hatten am Urnengang vom Samstag teilgenommen. Erste, noch nicht offizielle Resultate zeigen, dass Jibrils Allianz in Tripolis und Umgebung sowie in Benghasi mit zum Teil grossem Vorsprung an erster Stelle liegt. Wie stark die Ergebnisse regional gefärbt sind, belegt Misrata, wo die Heimatunion von Abdul Rahman Sewehli, der aus einer prominenten Familie der Stadt stammt, das Rennen vor der den Muslimbrüdern nahestehenden Partei für Gerechtigkeit und Aufbau machte. Deren Chef Mohammed Sawan räumte den Erfolg Jibrils in Benghasi und Tripolis ein. In Misrata dagegen kam die Allianz der Nationalen Kräfte nur auf Platz vier.
Über die Parteilisten werden aber nur 80 der 200 Sitze vergeben. Die übrigen 120 entfallen auf unabhängige Kandidaten. Bei den meisten von ihnen wird sich erst zeigen, wo sie politisch einzuordnen sind, wenn der Nationalkongress seine Arbeit beginnt und sich Fraktionen bilden. Die Muslimbrüder haben auch einzelne unabhängige Kandidaten unterstützt.
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