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Tagblatt Online, 05. Juli 2012 06:55:38

Das Bergdrama am Lagginhorn wirft Fragen auf

Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten offenbar schlechte Sichtbedingungen. Zoom

Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten offenbar schlechte Sichtbedingungen. (Bild: Keystone/EPA)

Beim Bergunglück am Lagginhorn vom Dienstag gibt es nur zwei mögliche Ursachen: ein Mitreissunfall oder ein Schneebrett.

Luzius Theler, Brig

Das Bergdrama am Lagginhorn vom Dienstag, bei dem fünf Bergsteiger beim Abstieg vom Gipfel abstürzten und ums Leben kamen, kann nur zwei Ursachen haben: Entweder sind die Bergsteiger an der steilen Bergflanke von einem Schneebrett mitgerissen worden, oder ein Gruppenmitglied ist abgestürzt und hat die anderen mit in den Tod gerissen.

Ein Wächtenbruch scheidet aus, weil sich im Bereich der Absturzstelle keine überhängenden Schneeverwehungen bilden. Allerdings war die Schneedecke am Dienstag bis auf eine Höhe von rund 4000 Metern über Meer aufgeweicht, weil es geregnet hatte.

Deutsche mit zwei Minderjährigen

(sda) Die fünf verunfallten Bergsteiger sind alle deutsche Staatsangehörige. Zwei der Opfer sind noch minderjährig. Dies teilte die Walliser Kantonspolizei mit. Unter den Opfern befinden sich die beiden Kinder des einzigen überlebenden Mannes: die 14-jährige Tochter und der 20-jährige Sohn. Ums Leben gekommen sind ausserdem ein 44-jähriger Mann mit seinem 17-jährigen Sohn sowie der 21-jähriger Kollege der Kinder.

Mit Handschlingen verbunden?

Das Lagginhorn gilt nicht als leichter Viertausender, sondern als mittelschwer: «Es siedelt sich ungefähr im gleichen Schwierigkeitsgrad an wie das Fletschhorn oder der Pollux, ist aber anspruchsvoller als etwa das Breithorn, der Weissmies oder das Bishorn», sagt der Zermatter Rettungschef Bruno Jelk.

Nach den Informationen des erfahrenen Bergretters waren die fünf Alpinisten sehr wohl untereinander verbunden, allerdings nicht mit einem Bergseil, sondern mit Handschlingen. Dies sei ihm vom Rettungschef der Region nach dem Einsatz am Lagginhorn persönlich mitgeteilt worden. Die Kantonspolizei geht davon aus, dass die Fünfergruppe nicht angeseilt war.

Befragung des einzigen Überlebenden

Ein Flug zur Absturzstelle war am Dienstag wegen dichten Nebels nicht möglich. Nur eine Ortsschau könnte Aufschluss bringen über die mögliche Absturzursache. Zudem dürfte die Kantonspolizei auch den einzigen Überlebenden befragen, der das Drama, bei dem auch zwei seiner Kinder ums Leben kamen, offenbar mitverfolgte, weil er über einen Anruf in die Schutzhütte die Rettungskräfte alarmierte.

«Solche Passagen werden von Seilschaften oft gleichzeitig begangen. Weil im Fels verankerte Sicherungsmöglichkeiten fehlen, sichert man sich notdürftig gegenseitig. Wenn aber ein Alpinist ins Stolpern kommt und abstürzt, vermögen ihn die anderen nicht zu halten. Eine ganze Gruppe kann auch der stärkste Bergführer nicht mehr sichern, wenn sie einmal ins Rutschen gerät», betont Bruno Jelk.

Selbst für leichtere und mittelschwere Touren empfiehlt sich laut Jelk die Verpflichtung eines einheimischen Bergführers. «Selbst scheinbar anspruchslose Touren können sich bei besonders schwierigen Verhältnissen oder nach einem Wetterumsturz als tödliche Falle erweisen.»




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