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Tagblatt Online, 09. Juli 2012 01:33:00

Marathon- Musiker

Burning Hell Zoom

Spielen, zusammenpacken, weiterfahren:: The Burning Hell und Sänger Mathias Korn (oben rechts) dürfen keine Zeit verlieren. Da spielt man schon mal vor nur einem Zuschauer. (Bild: Bilder: Urs Jaudas)

The Burning Hell gaben innert 24 Stunden zehn Konzerte in zehn Ländern. Samstag früh waren sie in Trogen.

David Gadze

Die Strassen in Trogen sind am frühen Samstagmorgen noch leer, das Dorf schläft. Voll ist hingegen der «Viertel», wo gerade der Versuch eines Weltrekords stattfindet. Die kanadische Indie-Folk-Band The Burning Hell will innerhalb von 24 Stunden zehn Konzerte in zehn Ländern spielen. Trogen ist die sechste Station.

Das fröhliche Ende einer Nacht

Der Dachstock des Häuschens hinter der Kirche ist gerammelt voll. Die rund 30 Zuschauer stehen dichtgedrängt, für einige bleibt nur noch auf der Treppe Platz. Die Band spielt zusammengepfercht unter dem Dachgiebel, die Zuschauer wenige Zentimeter vor sich. Kaffeetassen werden hochgereicht, die Luft ist schwül und stickig, die Stimmung ausgelassen. Es wird gesungen, getanzt, gefeiert. Man spürt, dass der frühe Morgen für die meisten nicht der Beginn eines neuen Tages, sondern der Ausklang der Nacht ist.

The Burning Hell liegen gut im Zeitplan. Schon kurz nach sechs Uhr morgens sind sie in Trogen eingetroffen. Um keine Zeit zu verlieren, beginnt die Gruppe das Konzert eine halbe Stunde früher als geplant. Als ein paar Zuschauer pünktlich um sieben Uhr aufkreuzen, geht der Kurzauftritt gerade zu Ende. Während Bandkopf Mathias Korn das letzte Stück «My Name Is Mathias» anstimmt, werden die ersten Instrumente übers Geländer heruntergereicht und im Tourbus verstaut. Knapp zehn Minuten später verabschieden die Besucher die Band mit Wunderkerzen auf die Weiterreise nach Vaduz. Der Zeitvorsprung hat jedoch auch seine Tücken: Dort spielten sie für gerade mal einen Menschen – und zwar für den Betreiber des Clubs. «Als wir ankamen, schlief er noch», erzählt Tourmanager Sebastian Hoffmann später am Telefon.

Der Rekord ist geschafft

Am Freitag um 19 Uhr begann die Tournée in Deutschland (Aachen). Es folgten Holland (Maastricht), ein Festival im belgischen Lüttich, die Stadt Luxemburg und Metz in Frankreich (01.15 Uhr). Nach der Nacht ging's weiter in Trogen, Vaduz, einem Plattenladen in Innsbruck (Österreich), Verona (Italien) und schliesslich in der Burg des slowenischen Dorfes Šmartno.

«Ich bin erschöpft, aber überglücklich», sagt Korn am Telefon, nachdem kurz vor 19 Uhr das letzte Konzert gespielt und der neue Rekord aufgestellt ist. Die Show im «Viertel», wo The Burning Hell zum viertenmal innerhalb von zwei Jahren gespielt haben, hebt er besonders hervor: «Wie uns die Leute da um die Uhrzeit empfangen haben, war wirklich einzigartig.»

Ein grosses Herz

Fürs Guinness-Buch reicht der Rekord jedoch nicht. Denn dafür muss in Lokalen mit einer Kapazität von mindestens 300 Personen gespielt und zweimal geflogen werden. Item: Was The Burning Hell geschafft haben, ist noch keiner Band gelungen. Und immerhin liessen sie damit Grössen wie Jay-Z (sieben Shows in sieben Städten) und The Flaming Lips (acht Shows in 24 Stunden) hinter sich. «Nur Bands mit einem riesigen Budget können den offiziellen Rekord aufstellen», sagt Korn. «Für Indie-Bands ist so was gar nicht machbar. Wir haben zwar ein grosses Herz, aber ein kleines Portemonnaie. Darum widmen wir diesen Rekord all den Gruppen, die sich aus Leidenschaft ihren Arsch abspielen.»




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