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Tagblatt Online, 31. Oktober 2012, 01:35 Uhr

Wo der Markt noch Gewinn hergibt

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Reto Löhrer, CEO Kompaflex AG. (Bild: Christof Lampart)

Lateinamerika weist gegenwärtig ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent auf. Das macht die Region auch für die Schweizer Exportwirtschaft und für KMU aus der Ostschweiz interessant.

CHRISTOF LAMPART

WARTH. Neue Märkte erschliessen ist ein probates Mittel, um ein Unternehmen auch in Krisenzeiten erfolgreich zu führen. Lateinamerika ist ein solcher Markt. Eingeladen zum «Exportdialog Lateinamerika» hatten die Schweizerische Zentrale für Handelsförderung (OSEC), die Industrie- und Handelskammer Thurgau und die Handelskammer und Arbeitnehmervereinigung Winterthur. Reto Löhrer, Geschäftsleiter der Kompaflex AG aus Steinebrunn, was aus seiner Sicht nötig ist, um in Lateinamerika wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Idealer Nährboden

Eines sei klar: Die boomende Wirtschaftszone Lateinamerikas brauche in vielen Industriebereichen hochwertige technologische Produkte, welche sie aber in den meisten Fällen nicht selbst, weder in der erforderlichen Quantität und erst recht nicht in der Qualität, herzustellen vermag. So gesehen sei der Nährboden für die Kompaflex AG ideal, denn sie stellt Kompensatoren her, Geräte also, welche technische Dehnungen in Rohrleitungen ausgleichen, so Reto Löhrer.

Technisches Verständnis fehlt

Erschwerend sei allerdings oft, dass die Kompaflex ein technologisches Spitzenprodukt herstelle, das einen gewissen Erklärungsbedarf habe, jedoch bei vielen Lateinamerikanern oft das technische Verständnis für die Anlage fehle. Komme hinzu, dass die Leute oft eine Maschine brauchten, jedoch oft nicht erklären könnten, welche besondere Spezifikationen das Teil haben sollte. «Das technische Verständnis der Kunden ist oft nicht besonders gross. Somit ist es auch ziemlich schwierig, dass man beispielsweise bei brasilianischen Kunden ein Involvement erreicht», so Löhrer. Dieses Manko erschwere die Arbeit doch ziemlich, denn «wenn wir gewisse Daten nicht haben, können wir auch nichts machen, und das ist frustrierend.» Sehr angetan zeige sich Löhrer hingegen von den Verdienstmöglichkeiten. Während in Europa ein sehr kompetitiver Wettbewerb herrsche, seien die Gewinnmargen in Südamerika noch in Ordnung.

US-Produkte als Konkurrenz

Da viele Länder Lateinamerikas zweistellige Zuwachsraten in Sachen Wirtschaftswachstum aufweisen können, sei auch die Bereitschaft, in hochstehende ausländische Produkte zu investieren, weit verbreitet. Komme hinzu, dass viele US-Firmen schon seit Jahren in Lateinamerika mit ihren Produkten vertreten seien. Mit Produkten, die in der Regel preislich teurer und qualitativ schlechter seien als diejenigen der europäischen Konkurrenz. Für den Markteinstieg sei es jedoch immens wichtig, dass man sich mit einem Branchenkenner vor Ort, zum Beispiel von der OSEC, zusammentue. Das erleichtere vieles, wenn auch nicht alles, denn die Bürokratie sei in vielen lateinamerikanischen Ländern enorm und in Brasilien sogar eine Katastrophe, sagte Löhrer.

Ganz gute Zahlungsmoral

Die Zahlungsmoral sei hingegen ganz gut. Zwar könne es durchaus auch zu klaren Verzögerungen kommen, aber bis anhin sei immer bezahlt worden, so Löhrer.

Ein echtes Hindernis seien hingegen die oft fehlenden Fremdsprachenkenntnisse der Lateinamerikaner. «Am besten ist es, wenn Sie fliessend Spanisch oder Portugiesisch sprechen, denn selbst viele gebildete Leute sprechen hier nur sehr schlecht Englisch.»



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